„Die Vorteile des Kapitalismus müssen breiter verteilt werden, um die Inklusion zu fördern.“
Diese Einsicht in der Abschlusserklärung des letzten G20-Treffens bestätigt meine Einschätzung. Auch wenn dies hier nur ein kleiner Schritt ist, den die derzeitigen Machthaber vor allem deshalb tun, weil sie Angst haben, ihre Macht an die zunehmend erfolgreichen Populisten zu verlieren.
Der Macht- und Markt-Mechanismus scheint also zu wirken, aber man darf daran zweifeln, dass hier mehr bezweckt ist als die Sicherung der eigenen Machtposition. Nicht radikale Abkehr von Wachstum, Profit und Gier ist hier ein Teil der Vision, sondern Umverteilungsmechanismen der weiterhin sprudelnden Gewinne, damit „die da unten“ zumindest so viel abbekommen, dass sie Ruhe geben.
Das könnte sogar funktionieren, denn die Menschen sind so „verblödet“ bzw. vom Neoliberalismus infiziert, dass sie käuflich sind. Erst wenn es Kräfte gibt, die wirklich andere (‚ideelle‘) Werte propagieren und machtpolitisch umzusetzen versuchen, könnte daraus eine echte Erneuerung werden.
Aber selbst das ist ungewiss. Vielleicht brauchen wir wirklich eine existenzielle „Rettungskatastrophe“, damit die „normalen“ Menschen, aber auch die Mächtigen und Reichen, begreifen, dass wir ein anderes Wirtschafts- und Sozialmodell benötigen. Da aber keine der beteiligten Gruppen daran ein echtes Interesse hat, solange das bisherige System sich perpetuieren lässt, müsste erst ein solcher Notfall auf breiter Basis auftreten. Oder es müsste genügend Verzweifelte und „Verrückte“ geben, die als Einzeltäter das System mit Gewalt angreifen (nach dem Modell der derzeitigen Attentäter).
Dass eine wirkliche Erneuerung „von Oben“ ausgeht, noch dazu von den versammelten führenden Wirtschaftsnationen, erscheint mir jedenfalls b. a. w. Wunschdenken derjenigen, die – ob gewollt oder nicht – mit solchen „Mutmachergeschichten“ letztlich dazu beitragen, dass sich nichts ändert.