Am Rosenmontag 2016 ist dieses Blog online gegangen. Zehn Jahre wollte ich durchhalten, und nun ist es nach ca. 190 Beiträgen an der Zeit, ein (Zwischen)Fazit zu ziehen.
Das Konzept ist aktuell wie eh und je, und ich sehe auch keinen Bedarf, es umzuformulieren. 2016 war im Übrigen zufällig das Jahr des großen medialen „Durchbruchs“ von Fake News, und mit dem Siegeszug der KI ist die Frage, wie Wahrheit überhaupt noch sichergestellt werden kann, noch wichtiger geworden.
Frustrierend sind allerdings die Reichweite und Resonanz, die man mit einem „einsamen“ Blog wie PROFnarr erreichen kann. Ohne geeignetes Marketing hat man gegen die Dummschwätzer kaum eine Chance, nur mit Text auch nicht bei den Bildhungrigen. Und die Bildungshungrigen, Wahrheitssuchenden und SelbstdenkerInnen, gibt es sie überhaupt noch?
Eine (für mich) interessante Erfahrung und Erkenntnis aus den zehn Jahren ist jedenfalls, dass selbst kluge Menschen wenig Interesse an inhaltlichen Diskussionen haben.
Das könnte daran liegen, dass mein Schreibstil durchaus den Eindruck erwecken kann, dass ich die Wahrheit für mich in Anspruch nehme und kein Interesse an einer intellektuellen Auseinandersetzung habe. In der Tat habe ich die einfache Kommentarfunktion deaktiviert, aber das geschah aufgrund der Einsicht, dass sich dort fast nur Pöbler, Beleidiger und an keinerlei Wahrheit Interessierte tummeln. Per Mail war und bin ich jedenfalls jederzeit erreichbar.
Es könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass Wahrheit zwar zu Einsicht führt, aber auch zu Schweigen. Insofern wäre der sokratische Wahrheitszugang sinnvoller, Erkenntnis durch Fragen zu generieren. Ich habe auch in der Tat einen Fragenbereich eingerichtet, aber bislang nicht mit Fragen gefüllt. Der fehlende Drang dazu könnte (neben der fehlenden Zeit) damit zu tun haben, dass ich (zu) wenig Vertrauen in die Selbstdenkbereitschaft und -fähigkeit der Menschen habe (aus zahlreichen gegebenen Anlässen …), und dem ein „wenig“ nachhelfen möchte, aber sicher auch etwas mit Besserwisserei.
In dieselbe Richtung geht auch die Begründung, warum bei den Fakten nichts eingestellt wurde. Fakten machen in einem Blog nur dann Sinn, wenn man Aussagen zu ihnen tätigt oder Fragen dazu aufwirft. Da die Fakten ja nicht von mir selbst ermittelt werden (dazu fehlt sowohl die Zeit als auch die Kompetenz), reicht dann auch ein Link auf die Quelle, falls die Fakten in einem Beitrag dann doch relevant sein sollten.
Auch wenn in Zeiten von KI Bloggen (zumindest noch) nicht überflüssig ist, wird das Aufwand/Ertrag-Verhältnis für den Autor schnell defizitär. Insbesondere meine Opportunitätskosten durch nicht realisierte andere Projekte schlagen hier zu Buche. Daher werde ich das Blog zwar erst einmal weiterführen, aber mit einer reduzierten Frequenz und fokussierteren Priorisierung der Themen (über die ich mir aber erst noch Gedanken machen muss).
Mal schauen, was die Verbindung von Aha! (prof) und Alaaf! (narr) zukünftig noch hergibt außer der nicht versiegenden Freude am Denken.