„Um Leben und Tod!“ Darum geht es nach offizieller Aussage bei den drakonischsten Eingriffen in das soziale Leben, die unsere Gesellschaft in Friedenszeiten je erlebt hat.
Beim Kampf gegen den Corona-Virus geht es natürlich auch darum, Menschenleben zu retten. Aber in Wirklichkeit soll damit das politische und wirtschaftliche System gerettet werden, dem wir uns auf Gedeih und Verderb ausgeliefert haben.
Um Leben und Tod?
Wer drastische Eingriffe in unsere Freiheiten rechtfertigen muss, dem kommt es gelegen, dass der Corona-Virus nicht nur krank macht, sondern auch töten kann. Dass das aber der wahre Grund für das Überschwappen der verbreiteten Panik auf die Obrigkeit ist, muss man bezweifeln.
Denn der Virus ist nicht wirklich gefährlicher als andere Grippeviren, Schweinegrippen, Sica-Viren, Borrelien usw., die das Land und die Welt jedes Jahr heimsuchen, ohne dass dies zu mehr als Vorsichtsappellen geführt hätte. Corona mag gefährlicher sein als erwartet, aber für die allermeisten ist er nichts als lästig. Aber rechtfertigt die Wahrscheinlichkeit, dass manche Menschen durch die Maßnahmen vor Infektion und Tod bewahrt werden, denn nicht deren Ausmaß?
Diese Frage wird von offizieller Seite natürlich bejaht, und jeder Andersdenkende würde der Menschenverachtung und des Zynismus bezichtigt werden. In Wirklichkeit verhalten wir uns aber genau so zynisch, ohne dass es nennenswerte Empörung hervorrufen würde. Wir nehmen nämlich gelassen hin,
- dass Menschen sich in unserem Lande infizieren und daran sterben, sogar zu Zehntausenden in Krankhäusern an multiresistenten Keimen,
- dass Zehntausende sich zu Tode saufen und rauchen,
- dass Tausende auf der Flucht in unser gelobtes Land ums Leben kommen,
- dass Tausende bei Autounfällen umkommen, oder
- dass unser Gesundheitssystem Millionen chronisch Kranke nicht ordentlich versorgen kann.
Natürlich „bemüht“ sich die Obrigkeit diesbezüglich mit Einzelmaßnahmen, aber niemand käme auf die Idee, damit Eingriffe zu rechtfertigen, die vielen Menschen – insbesondere kleinen Selbständigen – die Existenzgrundlage rauben, Eltern vor unlösbare Kinderbetreuungsaufgaben und die Wirtschaft insgesamt auf Jahre vor große Probleme stellen werden. Und schon gar nicht käme irgendjemand auch nur in die Nähe der Idee, das ganze mit Hilfe einer unbegrenzten (!) Staatsbürgschaft „gegenfinanzieren“ zu wollen.
Auch der Vergleich mit der drohenden Klimakatastrophe lohnt sich: Wie hart musste gerungen werden, um überhaupt etwas auf die Beine zu stellen, und wie knauserig war man dort im Vergleich zu den Corona-Billionen, und wie sehr hat man darauf geachtet, bloß keine Arbeitsplätze zu „gefährden“. Dabei werden die Klimaänderungen viel gravierendere Folgen haben als Corona. Diese gehen zwar langsamer voran als der Virus, aber sie sind auch nicht annähernd so einfach und schnell einzudämmen, so dass dringender Handlungsbedarf objektiv besteht (wobei die jetzt schon feststellbaren Folgen der Globalisierung für Flora und Fauna noch gar nicht eingepreist sind).
Also: Entweder unsere Politiker leiden an panikbedingter Geistesschwäche (vermutlich auch, aber nicht alleine), oder die wahren Gründe liegen woanders.
Auf Gedeih und Verderb!
Für die getroffenen Maßnahmen gibt es verschiedene andere Erklärungsansätze als die offiziell verkündeten:
Zunächst macht es sich nicht nur für Diktatoren, sondern mindestens ebenso für gewählte Regierungen schlecht, wenn man tatenlos der Verbreitung eines Virus zusieht. Unabhängig von der physiologischen Schädlichkeit des Virus ist dessen größtes Schadenspotenzial nämlich dadurch entstanden, dass die Presse darüber berichtet hat, und das noch dazu mit einer Intensität, die Aktionismus geradezu kausal hervorrufen musste, wenn man politisch überleben wollte.
Hinzu kommt der Vergleich mit ausländischen Staaten und vor allem der Wettbewerb mit diesen. Wer kann schon tatenlos zusehen, wenn die ganze Welt aktiv wird und vor allem Maßnahmen gegen Deutschland/die EU beschließt, weil diese nichts unternehmen und damit zu einem Gefahrenherd werden, und wenn dann auch noch über beides berichtet wird? Man hat in der Tat den Eindruck, dass die Länder sich darin überbieten, die strengsten Maßnahmen zu beschließen, und das möglichst noch inkl. der Abschottung gegenüber den Nachbarn und „Partnern“, die man ggf. ohnehin nicht mag.
Die Maßnahmen dienen also unmittelbar der Machtstabilisierung der derzeit Regierenden (im Unterschied zur Klimakrise, deren Folgen spätere Regierende werden verantworten müssen).
Mittelbar, aber mindestens so wichtig, ist das Ziel, unser globalisiertes Wirtschaftssystem und damit unseren (prekären) Wohlstand zu retten – zumindest bis zur nächsten Krise.
Das klingt zunächst einmal nicht plausibel, weil die Wirtschaft durch die jetzt beschlossenen Maßnahmen auch stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Man darf dies allerdings nicht mit einem Normalzustand vergleichen (d. h. so wie es vor Kurzem noch war), sondern mit dem (hypothetischen) Zustand, der eingetreten wäre, wenn man den Dingen ihren Lauf hätte nehmen lassen: Eine sich vermutlich über Monate hinziehende Wirtschaftskrise, zu der alle an der Globalisierung beteiligten Länder ihren Beitrag geleistet hätten, mit vermutlich einer länger anhaltenden Rezession und den hierdurch hervorgerufenen unabsehbaren Folgen, insbesondere für ein ohnehin wackliges Finanzsystem.
Was man jetzt versucht, ist eine koordinierte Radikalkur, um möglichst schnell wieder zum Normalzustand zurückzukehren. Diese Schocktherapie wird zwar auch Spuren hinterlassen, aber man geht offenbar davon aus, dass diese zu bewältigen sind, wenn schon nicht durch die Unternehmen, dann doch durch die Steuerzahler, deren zukünftige Zahlungen schon mal verpfändet wurden (im Übrigen trotz gültiger Schuldenbremse, aber die hat ja zum Glück auch ein Hintertürchen …).
Das hat schon einmal bei der Finanzkrise 2008 funktioniert, und zwar gar nicht so schlecht: Denn das seinerzeitige Versprechen der Kanzlerin, dass der Staat für alle Spareinlagen bei Privatbanken einstehe (was im Übrigen nie rechtlich verankert wurde), hat die Kunden einigermaßen besänftigt und die Katastrophe verhindert, auch wenn eine ganze Reihe von Finanzinstituten (auch in öffentlicher Trägerschaft) danach das Zeitliche gesegnet haben.
So billig werden der Staat bzw. die Steuerzahler diesmal aber nicht davonkommen, das steht jetzt schon fest, und die Folgen für die Staatsfinanzen werden erheblich sein. Vor allem aber ist das Ganze ein Vabanquespiel. Denn wenn irgendein relevanter Player im Globalisierungsspiel nicht bzw. nicht schnell genug die Kurve kriegt, bringen die getroffenen Maßnahmen den anderen auch nicht viel. Denn die Vernetzung ist so groß, das der Ausfall eines Beteiligten eine unendliche Kette von Dominosteinen (Unternehmen, Banken) zum Umfallen und damit das gesamte internationale Wirtschaftssystem zum Kollaps bringen kann.
Der Virus mag also trotz der Maßnahmen tausenden Menschen das Leben kosten, aber alle anderen werden immunisiert und bei der nächsten Pandemie vermutlich gesundheitlich besser gewappnet sein. Auch deshalb hätte es gesundheitspolitisch sinnvoller sein können, den Virus zuzulassen und nur die Hochrisikogruppen aus dem Verkehr zu ziehen. Das hat man aber nicht getan, und auch deshalb geht es nicht wirklich um Leben und Tod.
Der Mensch ist vielmehr ein sehr gesundheitsrisikobehafteter Produktionsfaktor und Endabnehmer. Denn es mag in unserem Wirtschaftssystem noch so viel Aufwand betrieben werden, um die Menschen so zu formen (z. B. Bildung), beeinflussen (z. B. Marketing) und flexibel einzusetzen (z. B. Arbeitszeitmodelle, Arbeitnehmerfreizügigkeit), damit sie bestmöglich performen, ihre Gesundheit und Psyche hat man nicht im Griff. Und da sie auch nicht besonders „vernünftig“ agieren, muss man sie jetzt mit drakonischen Maßnahmen dazu zwingen, sich, wenn schon nicht im Eigeninteresse, dann doch im Interesse des Systems zu verhalten.
Wir müssen also spätestens jetzt erkennen, dass wir Menschen uns auf Gedeih und Verderb einem Wirtschaftssystem ausgeliefert haben, dem wir nicht gewachsen sind und das uns nicht gewachsen ist. Ob die derzeitige Politik – „Augen zu und weiter so, und zwar mit aller Kraft“ – uns mit einem blauen Auge davonkommen lässt, wird sich relativ schnell zeigen. Und man wird uns so oder so mit medialer Unterstützung notfalls einbläuen, dass die Mahnahmen alternativlos waren und wir jetzt tapfer sein müssen.
Aber die menschenbedingte Systeminstabilität wird selbst bei „positivem“ Ausgang weiter bestehen und langfristig zum Kollaps führen, spätestens dann, wenn die demografische Entwicklung rückläufig ist oder wir Menschen Angst vor dem Klimakollaps bekommen (oder Flora und Fauna so sehr unter diesem Wirtschaftsmodell gelitten haben, dass unsere natürlichen Lebensgrundlagen schwinden).
Insofern sind wir Menschen uns selbst auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.