Tabarnia

Es gibt sie noch, intelligente Politprovokation: Tabarnia! Katalonischer Separatismus wird durch spanischen Sub-Separatismus unterminiert und ad absurdum geführt: Die Chef-Separatisten müssen sich gegen die Abtrünnigen wehren wie der spanische Staat gegen die katalonischen Separatisten. Und was bliebe noch von Katalonien ohne ihre Vorzeigemetropole Barcelona?

Damit ist nicht gesagt, dass sich in Spanien nichts ändern muss, dass aber Unabhängigkeit von allem und noch wem keine Lösung darstellt, sondern nur eine Veränderung des Problems, vor allem wenn die Mehrheiten so knapp sind wie in Katalonien. Dann sind kreativere Lösungen gefragt als sie den Separatisten vorschweben, aber natürlich auch als jene, die die derzeitige spanische Regierung praktiziert.

Vielleicht (oder besser: hoffentlich) bringt Tabarnia die Streitparteien ja dazu, ihr Gehirn anzuwerfen. Und vielleicht inspiriert es ja auch die Brexit-Gegner zu etwas kreativerer Gegenwehr als Schicksalsergebenheit in eine grunddumme Entscheidung, in der eine momentane (und stark manipulierte) Stimmungslage politische Festlegungen auf Jahrzehnte zur Folge hat, die erkennbar suboptimaler sein werden als eine kreative Verhandlungslösung mit der unbestreitbar reformbedürftigen EU es gewesen wäre. Da übrigens auch Hr. Pugdemont gerade in Brüssel weilt, könnte er sich z. B. das zu Unrecht vielbelächelte belgische Modell mal näher anschauen.

Hoffen wir mal, dass dieser viral-politische Kreativitätsausbruch in Europa viele andere, insbesondere in Brüssel und London, ansteckt.

hEUchlerisch

Trump ordnet an, die Grenze zu Mexiko durch zusätzliche Zäune gegen illegale Migration zu sichern.
Die EU verurteilt das als inakzeptabel und menschenunwürdig. Selbstverständlich sind die Zäune zwischen Marokko und der spanischen Exklave, oder die zwischen Griechenland und Mazedonien, etwas vollkommen Anderes und Legitimes.

Trump verbietet die Einreise von Einwohnern bestimmter muslimischer Staaten, auch wenn es sich um Flüchtlinge handelt.
Die EU betrachtet dies als Rechtsbruch und kritisiert es als menschenverachtend. Das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei und die Abwehr afrikanischer Migranten im Mittelmeerraum orientieren sich derweil natürlich konsequent an den Standards des Völkerrechts und der Menschenrechte.

Man darf Trump gerne kritisieren. Aber wer im Glashaus sitzt, sollte nur dann mit Steinen werfen, wenn ihm egal ist, dass das Haus zu Bruch geht.

Gesichtswahrender Selbstmord?

Wie schlecht komplexe Themen von den Medien bzw. Journalisten bewältigt werden, kann man täglich erfahren. Nicht um eine Lügenpresse, sondern um eine Ignorantenpresse muss man sich in Wirklichkeit ernste Sorgen machen. Wenn dann auch noch Emotionen hinzukommen, schlägt die Gehirnmaschinerie der 4. Macht im Staate mehr als einmal ‚tilt‘.

Ein schönes Beispiel dafür liefern seit einiger Zeit die Diskussionen um internationale Wirtschaftsverträge wie CETA, TTIP oder TISA (s. hier und hier). Dass die Bevölkerung sich darüber ereifert, ist nachvollziehbar, weil sie zumindest ahnt, dass hier etwas Entscheidendes komplett an ihr vorbeizulaufen droht. Anstatt sich aber eigenständig damit zu beschäftigen und substanzielle Aufklärungsarbeit zu betreiben, beschränken sich die Medien darauf, zu beschreiben, was die Befürworter oder Gegner gerade sagen, glauben, behaupten, tun usw.. Was von ihnen mangels Kompetenz oder Interesse nicht thematisiert wird, findet demnach keinen Widerhall, auch wenn es Dinge sind, die letztlich den Kern dieser Verträge darstellen.

Die schlechteste Figur bei diesem Spiel machen jene Journalisten, die dann auch noch glauben, das Geschehen kommentieren zu müssen: Meinungsfreude gepaart mit Ignoranz war noch selten ein Qualitätsmerkmal. Wenn aber die Meinung nicht mal eigenes Denken reflektiert, sondern das Geplapper anderer nachahmt, und zudem nicht einmal ein minimales Problembewusstsein erkennbar ist, dann verschlägt mir das immer noch die Sprache.

Ein aktuelles Beispiel dafür war die Weigerung einiger belgischer Regionalparlamente, einer vorläufigen Inkraftsetzung von CETA zuzustimmen.

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Weinerlicher Wunderweltwünscher

Es wird mal wieder eine Kuh durchs Dorf getrieben, oder besser gesagt ein Schriftsteller durch Deutschland: Navid Kermani auf allen Kanälen und aus allen Rohren. Der richtige Mann zur richtigen Zeit: Ein Vorzeige-Integrations-Musterknabe, der zudem die deutsche Seele so gut versteht, dass er so deutsch schreibt, dass es deutscher gar nicht geht.

Unter Beweis gestellt hat er das gerade in der FAZ (28.6.16), wo er in einem seitenlangen Beitrag den Mainstream-Gutmensch-Intellektuellen perfekt abgibt.

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Exitus Britannicus?

„Die spinnen, die Briten!“, so denken offenbar viele nach dem Brexit-Referendum. In der Tat weisen viele Indizien darauf hin, dass hier mit viel Gefühl und wenig Verstand votiert wurde.

Aber kann das wirklich erstaunen? Wenn man in den letzten Wochen beobachtet hat, mit wie begrenztem Sachverstand sich sogenannte Experten zu dem Thema geäußert haben, sollte man dem Durchschnittsbriten keinen Vorwurf machen.

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Die Wiederentzweiungskanzlerin

Während Helmut Kohl sich freuen darf, als Wiedervereinigungskanzler in die Geschichte einzugehen, wird sein politischer Zögling Angela Merkel ein Vierteljahrhundert danach wohl ihren Fußabdruck als Wiederentzweiungskanzlerin hinterlassen.

Denn in und mit der Flüchtlingskrise hat sie in geradezu dramatischer Weise eine Spaltung der deutschen und europäischen Gesellschaft hervorgerufen, deren negative Auswirkungen noch lange zu spüren sein werden.

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EU-Krise? Ja, bitte!

Glaubt man den Medien, dann schlingert die EU seit Jahren von Krise zu Krise, und während man mit der ‚Euro-Krise‘ schon den Gipfel erklommen zu haben schien, droht jetzt mit der ‚Flüchtlingskrise‘ – garniert mit etwas ‚Brexit‘ und ‚TTIP‘ – nach vielen Punktsiegen die erste KO-Niederlage.

Die Medien (und manche kurzsichtigen Politiker) sehen schon das Ende der EU herannahen. Aber bei genauerer Betrachtung sollten die Bürger froh sein, dass endlich so etwas wie ein Reinigungsprozess einsetzt. Weiterlesen

Perfide Gedanken auf Abwegen

„Man kann Merkel vorwerfen, ihre Flüchtlingspolitik sei anfangs kurzsichtig gewesen. Das fällt heute sehr viel leichter als vor einem halben Jahr. Merkel hat die Folgen ihrer Offenheit nicht überblickt, vor allem aber nicht die Befindlichkeiten und den Widerstand in anderen europäischen Ländern. Daraus den Vorwurf abzuleiten, Merkel habe Europa gespalten, ist abwegig. … Besonders perfide ist der Vorwurf, Merkels Flüchtlingspolitik befördere den Nationalismus und Extremismus in anderen Ländern.“ (Matthias Krupa, DIE ZEIT 18.2.16 S. 1) Weiterlesen