Trumpophobiefolgen

Bereits mehrfach habe ich das Phänomen kommentiert, dass die deutsche Politik und genauso die deutschen Medien dem amerikanischen Präsidenten eine vollkommen überzogene Aufmerksamkeit schenken (s. insbesondere Aufgetrumpft (11/2016), Dumb Trump und wir (6/2017), MAGA? MEGA! (3/2025). Die ZEIT hatte sich vor Kurzem immerhin vorgenommen, dies zu reduzieren, nur um dann allerdings in der folgenden Ausgabe nicht weniger als 4 ganze Seiten Trump&Co zu widmen.

Verstörend ist daran vor allem (wenn man mal beiseite lässt, dass dies natürlich auch taktisch genutzt werden kann, um von eigenen Fehlern und Schwächen abzulenken), dass hier eine „German Angst“ zum Ausdruck kommt (der Sicherheitsradar ist auf die wahrgenommene Hauptrisikoquelle ausgerichtet), die leider nicht zu kluger Gegenwehr (Kampf), sondern zu Inaktivität und Ratlosigkeit (Flucht und Starre) führt.

Wenn man dann heute zudem feststellen muss, dass Deutschland (und Europa, das ähnlich tickt) fast 10 Jahre Zeit hatte, Gegenstrategien zu entwickeln und sich zu wappnen, dazu aber offensichtlich nicht in der Lage war und ist, dann ist zu erwarten, dass die hierdurch in der Bevölkerung generierte Angst vor der eigenen politischen Unfähigkeit (die so langsam ins Bewusstsein dringt) weitaus größere Erschütterungen bringen wird als Trumps Maßnahmen, insbesondere eine deutliche Verstärkung des Rechtsrucks und einen Ruf nach starker Führung, welche die Menschen aus ihrer Angst (und Wut über die bisherigen Regierungen) befreien soll. Bis dahin liefert gerade Trumps Theater paradoxerweise die benötigten Episoden, um die Öffentlichkeit zumindest kurzfristig von dieser Angst abzulenken. Aber die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Und dann werden wir gebannt auf das Ergebnis starren, das sich die politische und intellektuelle Elite so gar nicht erklären kann …

Angstkollektiv

Die Warnrufe der Umwelt- und Klimaschützer, der Wirtschafts- und Sozialweisen, der Wissenschaftler und Philosophen usw. werden lauter und dringender. Aber die große Mehrheit der Bevölkerung (es soll hier nur die Rede sein von Ländern, in denen entsprechende Informationen überhaupt zugänglich sind bzw. verbreitet werden) verhält sich trotzdem weitgehend irrational und ist offenbar nicht bereit bzw. dazu in der Lage, geeignete Rettungsmaßnahmen zu treffen.

Die Gründe für diese Negierung und Passivität sind sicherlich vielfältig. Mein persönlicher Erklärungsansatz leitet sich aus der Idee bzw. Überzeugung ab, dass die Menschen (zumindest unbewusst) Angst haben, dass zudem Menschenkollektive sich analog zum Einzelmenschen verhalten (Sozial- und Individualverhalten spiegeln sich), und dass daher Angst als prägendes Element menschlichen Verhaltens auch eine brauchbare Erklärung für unser kollektives Verhalten im Zusammenhang mit dem Klimadrama darstellen kann.

In der Tat führt Angst beim Menschen typischerweise zu i. W. fünf möglichen Verhaltensweisen, die man auch auf kollektiver Ebene als Erklärungsansatz wiederfinden kann. Weiterlesen