In schlechten Händen

C. Schweppe hat in der ZEIT vom 4.1.2024 (S. 4-5) beschrieben, woran die Evakuierung bzw. Immigration afghanischer Ortskräfte nach der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan gescheitert ist bzw. immer noch scheitert.

Abgesehen davon, dass es moralisch vollkommen inakzeptabel ist, zunächst Einheimische für sich arbeiten zu lassen und sie dann trotz sehr ernster Gefahr für ihr Leib und Leben schutzlos zurückzulassen, obschon ihre Anzahl gemessen an der Gesamtmigration nur einen Klacks darstellt und offensichtlich Deutschkenntnisse vorhanden sind, die bei anderen Migranten häufig vollkommen fehlen, zeigt der aus Originalquellen gespeiste Beitrag überdeutlich die Inkompetenz, die Führungslosigkeit, die parteipolitischen Egoismen und den fehlenden Minimalanstand nicht nur der Politiker, sondern auch der von ihnen geführten Ministerien.

In offiziellen Verlautbarungen wundern „die da oben“ sich, dass die Menschen die Nase voll haben von dieser Art Staatsführung, aber faktisch bestätigen sie ein ums andere Mal, dass es genauso schlimm ist, wie die Menschen es sich vorstellen. Denn das dokumentierte Debakel ist ja kein Einzelfall. Die öffentliche Hand ist inzwischen offenbar auf allen Ebenen ein Hort für Inkompetente, Überforderte, Unengagierte, Überhebliche, ideologisch Engstirnige, Scheinaktive und Verantwortungsscheue. Wie und warum soll die Bevölkerung angesichts dessen ein Vertrauen entwickeln, dass das Gemeinwohl in guten Händen ist?

Es wird immer wieder geklagt, wir hätten zu viel Staat und Bürokratie. Das mag in Teilbereichen stimmen, aber das wahre Problem ist nicht zu viel Staat, sondern zu wenig guter Staat. Mangelnde Qualität und fehlendes Gemeinwohlethos sowohl (und vor allem) des Führungspersonals als auch vieler Mitarbeiter auf allen Ebenen tragen dazu bei, dass der Staat nicht mehr seinen Aufgaben gerecht wird (was er offenbar in Teilbereichen schon selbst gemerkt hat, weil er das Heft des Handelns und die Verantwortung an Private abgibt, was letztlich aber die Schwäche des Staates nur verstärkt).

Für das Gemeinwesen sollten sich die fähigsten und verantwortungsbewusstesten Köpfe engagieren, gerade in Zeiten, in denen die kollektiven Politiken entscheidend für die Zukunft aller sind. Um das zu erreichen, bräuchte es aber Einsicht und Willen, und beides ist nicht vorhanden.

Das Regierungssystem hat offenbar die Kraft verloren, sich selbst zu regenerieren. Man begnügt sich mit Appellen, „es“ müsse sich dieses oder jenes ändern, womit man offenbar alles und jeden meint, nur nicht sich selbst. Aus einer übergeordneten Warte betrachtet bleiben als Lösung dann nur disruptive Ereignisse, welche erforderliche Entwicklungen erzwingen würden, von denen man aber nicht so recht weiß, ob man sie erhoffen oder befürchten soll.