#MeNot

Ich bestätige hiermit, dass ich nie eine Frau vergewaltigt habe, und dass ich mich niemals Frauen gegenüber übergriffig, unsittlich, erniedrigend oder vergleichbar unschicklich verhalten habe, zumindest nicht bewusst und in konkreten Taten. (Die Lebensumstände – genauer: Das Verhalten mancher Frauen in jüngeren Jahren – verhinderten allerdings nicht, dass ich der einen oder anderen gegenüber ziemlich böse gewesen bin, was ich nur z. T. bedaure.)

Mein bescheidener Reichtum, meine eher einflusslose berufliche Stellung, mein durchschnittliches Aussehen und meine eher spröde Emotionalität hatten zudem zur Folge, dass ich mich nur äußerst selten weiblicher Zudringlichkeit oder auch nur weiblichen Interesses erwehren musste, die ich gezielt hätte ausnützen können. Wo sich ausnahmsweise trotzdem die Gelegenheit dazu ergab, führten meine Schüchternheit, fehlende Geistesgegenwart, ungünstige äußere Umstände und meine christliche Erziehung dazu, dass nichts passierte, was in die oben genannten Kategorien fallen würde, es sei denn einvernehmlich.

Insofern müsste ich eigentlich dem Idealbild des Mannes entsprechen, das die zumindest in den Medien dominierende öffentliche Frauenmeinung zum Ausdruck bringt. Aber aufgrund meiner Lebenserfahrung kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein erheblicher Teil der weiblichen Bevölkerung in Wirklichkeit merklich „angepisst“ wäre, wenn alle Männer solche Langeweiler wären wie ich.

Vielleicht bringen die Frauen ja erst einmal untereinander mehr Klarheit darüber zustande, wen bzw. was sie eigentlich wollen, statt pauschal alle Männer unter Sexualbelästigungs-Generalverdacht zu stellen. Das würde auch die Akzeptanz der Letzteren erhöhen, die unzweifelhaft existierenden und für die ernsthaften #MeToo-Fälle verantwortlichen schwarzen Schafe aktiv und konsequent zu disziplinieren.

Denn solange Frauen selber ihre berechtigten Anklagen brutaler Übergriffe dadurch verharmlosen, dass sie diese in einen zum Kochen gebrachten Sexismustopf werfen, der mit Befindlichkeitsstörungen überfüllt ist, die vielleicht durch männliche Geschmacklosigkeiten hervorgerufen wurden, die jedoch keines Geschlechterkampfs bedürfen, sondern einer einfachen sofortigen Gegenwehr selbstbewusster Frauen, solange werden die echten und potenziellen Verbrecher sich einreden können, das Problem liege doch in erster Linie bei den Frauen.

#MeNot-Männer wollen jedenfalls mit diesen Typen nicht in besagten selben Topf geschmissen und für deren Taten verantwortlich gemacht werden. Wenn sie wegen irgendetwas anzuprangern sind, dann allenfalls wegen unterlassener – und sei es nur verbaler – Hilfeleistung. Da sind Männer in der Breite wohl tatsächlich auch nicht mutiger als Frauen. Das hat allerdings nichts mit Sexismus zu tun. Denn Männer sind eben auch nicht bekannt dafür, dass sie schwachen Geschlechtsgenossen gerne zu Hilfe eilen.

(Nachtrag 30.11.: Der Beitrag wurde in Unkenntnis des gleichnamigen Twitter-Hashtags geschrieben. Mit dem dortigen Geschreibsel kann ich nichts anfangen.)

Freiheit der Politik

Politik in einer komplizierten Welt ist kein einfaches Geschäft, denn sie ist „kontext-, zustimmungs-, und interessenabhängig, reichweitenbegrenzt, wirkungsparadox und durchsetzungslimitiert“ (Armin Nassehi).

Das ist anstrengend, frustrierend und erfordert vielerlei Talente. Wen wundert’s, dass diese Herausforderungen viele Politiker überfordern und diese daher Politik nicht mehr als Chance begreifen, im gemeinschaftlichen Interesse zu gestalten und die kollektiven Beschlüsse auch verbindlich umzusetzen, sondern als etwas, das man am Liebsten viel einfacher hätte. Weiterlesen

Merkels Flucht vor den Flüchtlingen

Der Jahrestag von Merkels Entscheidung (bzw. dessen Ankündigung), unbegrenzt und unkontrolliert sogenannte „Flüchtlinge“ ins Land zu lassen, der zufälligerweise mit der Endphase des Bundestagswahlkampfs zusammenfällt, ist natürlich allerorten Anlass für eine (Zwischen)Bewertung.

Es verwundert dabei nicht, dass Befürworter und Gegner sich nicht aufeinander zubewegt haben, schon eher (zumindest ein bisschen), dass der Zeitabstand nicht dazu geführt hat, die Analysen und Debatten zu versachlichen, obschon in der Zwischenzeit einiges recherchiert und dokumentiert wurde, was aber offensichtlich lieber nicht zur Kenntnis genommen wird.

Am meisten aber irritiert, dass Merkel selbst dieses Thema, das sie persönlich geprägt hat wie kein anderes, nicht zu ihrem eigenen gemacht hat, sondern administriert, als handele es sich um eines der vielen Themen, um die man sich als Kanzlerin eben kümmern muss.

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Terror-Tote und andere Leichen

Die Amokfahrt eines offenbar unter Drogen stehenden Mannes in New York  hat einen Trend bestätigt, den man schon seit einiger Zeit beobachten kann: Kriminelle Handlungen erreichen blitzschnell weltweite Aufmerksamkeit, wenn man sie mit Terror in Verbindung bringen kann, worin in erster Linie islamistisch inspirierter Terror verstanden wird und sich gegen Menschen westlicher Gesellschaften richtet.

Mögen Anhänger der unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen sich gegenseitig massakrieren, wen interessiert’s? Mögen weiße Männer ihre Kinder zu Tode prügeln, das trifft uns nicht, darum soll sich die Justiz kümmern. Diese Liste könnte man endlos weiter führen. Kriminalität interessiert uns eigentlich nur noch dann, wenn es irgendwie speziell ist und wir Gaffer sein dürfen und uns die Chance geboten wird, uns zu entrüsten.

Da kommt der sogenannte „Terror“ gerade recht, zumindest machen Politiker und Medien uns das weis. Mir will nur nicht einleuchten, warum uns Terror-Tote mehr interessieren sollten als normal Umgebrachte: Was ist daran besonders schlimm? Den Getöteten wird es vollkommen egal sein, warum ihnen letztlich jemand unverdienterweise das Leben nimmt, verachtungswürdig ist es so oder so. Warum also das Buhei um den Terror?

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Wahrheit und Politik

Die „Philosophin“ Hannah Arendt hat vor fast 50 Jahren einen Text zum Thema Wahrheit und Politik verfasst, der aktueller gar nicht sein könnte und zeigt, dass die derzeitige „Postfaktizismus-Hysterie“ alter Wein in neuen Schläuchen ist und in gewisser Weise vorausahnbar war, auch wenn Arendt vermutlich nicht damit gerechnet hat, dass ihre „Prognosen“ ausgerechnet so deutlich in ihrer Wahlheimat USA bewiesen werden sollten (aber nicht nur dort!).

Die Ausführungen sind so gut, dass sich eine Zusammenfassung verbietet. Eine Audiofassung findet sich auf youtube, eine gedruckte Fassung beim Piper-Verlag.

Faktenchecker und Fakechaser

Das Gute am Schlechten ist, dass es uns vor Augen führt, wie wichtig das Gute ist.
Die Einsicht passt auch, wenn man „gut“ durch „Fakt“ ersetzt und „schlecht“ durch „Fake“.

So bemühen sich die Medien denn auch gerade um das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber vor lauter Quotengeilheit vernachlässigt wurde: Die Wahrheit der Fakten. Und weil man es jetzt ganz genau nimmt, kontrolliert man nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen bzw. deren Fake-News. Das sorgt für Beschäftigung und Unterhaltung!

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Facebook, Fakebook und Faktbook

Das derzeit allerorts beobachtete und allseits kommentierte Postfaktische ist m. E. weniger ein Beispiel dafür, dass heute mehr geschummelt, erfunden und gelogen wird, als vielmehr dafür, dass sich diejenigen, die sich im Besitz der faktenbasierten Wahrheit wähnten, sowohl mit einer neuen Realität auseinandersetzen als auch mit einer neuen Sichtweise hierauf anfreunden müssen.

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Brandwächter-Journalismus

Die meisten Journalisten scheinen heute nach dem Brandwächter-Modell zu arbeiten: Sie verbringen ihre Zeit damit, Brände zu entdecken – oder oft auch nur potenzielle Brandherde zu vermuten – , dann möglichst laut „Feuer“ zu schreien und anschließend zu kommentieren, wie sie die Arbeit der Feuerwehr finden. Auf die Idee, selber zu löschen, kommen sie nicht, ebenso wenig, einen Beitrag zur Brandprävention zu leisten. Und weil es zu aufwändig und wenig vielversprechend ist, durch die Welt zu reisen, um selber Brände zu entdecken (außer ggf. dahinzufahren, wo gerade besonders viel gezündelt wird), beschränken sie sich darauf, vom Schreibtisch aus zu beobachten, wo andere gerade Feuer entdeckt haben, um deren Alarmrufe zu verbreiten und verstärken.

Besonders viel Mehrwert wird so nicht generiert. In Zeiten des Internet erfolgt die Verbreitung ohnehin millionenfach durch die Leser. Und wenn es darum geht, das allseits Bekannte noch einmal anders aufzubereiten, können das Bots heutzutage ohne Qualitätsverlust wesentlich kostengünstiger. Insofern ist der größte Teil dieses Journalismus entbehrlich.

Darüber hinaus hat dieser professionell betriebene und über die Medien ständig verbreitete Alarmismus die negativen Nebeneffekte, die Menschen zum einen ängstlich zu machen, zum anderen abzustumpfen.

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