Dumb Trump und wir

Deutschland schaut gebannt auf den amerikanischen Präsidenten und fragt sich, wie man so bescheuert sein kann.

Ich schaue fasziniert auf Deutschland und frage mich, welcher psychische Zustand hier am Werke ist, dass es diesem Psychopathen so viel Aufmerksamkeit schenkt und Bedeutung zugesteht.

Die einfache Antwort scheint zu lauten, dass er der mächtigste Mann auf diesem Erdball ist und man daher seine Verrücktheit fürchten müsse.

Angst haben muss man aber nur, wenn man keine Handlungsoptionen hat. Und die haben wir ohne weiteres: Man könnte schon mal damit anfangen, der Egomanie dieses Hampelmanns nicht auch noch eine große Bühne zu verleihen. Man könnte sich bewusst machen, dass Trump ein vorübergehendes und abwählbares Ärgernis ist und sich engagieren, dass er in fünf Jahren spätestens aus dem Amt scheidet. Man könnte Allianzen schmieden oder sich darauf besinnen, sich etwas weniger abhängig von den USA zu machen. Usw.

Merkel-Deutschland scheint diese gesunde Denk- und Reaktionsfähigkeit aber abhanden gekommen zu sein. Wenn selbst die Kanzlerin jammert, die Verlässlichkeit sei ein Stück verloren gegangen, dann hört sich das wie das Jammern derjenigen an, die feststellt, dass ihr Amt Anforderungen stellt, die sie nicht erwartet hat und die unangenehm sind, weil es nicht mehr reicht, zu lavieren, Probleme auszusitzen, durch Nichtstun Stärke zu simulieren usw.

Aber vielleicht haben wir ja auch nur abgrunddumme Medien und berechnende Politiker, die Dumb Trump für ihre jeweiligen Zwecke „missbrauchen“, d. h. Einschaltquoten generieren und von der eigenen Unfähigkeit ablenken.

Die kürzliche Ankündigung der amerikanischen Abkehr vom Pariser Klimaprotokoll ist ein gutes Beispiel für eine vollkommen überdrehte Berichterstattung, Aufmerksamkeit und Folgenwirkung:

Die Entscheidung war lange angekündigt und wurde angesichts des innenpolitischen Drucks auf Trump von diesem dringend als Erfolgsmeldung benötigt. Sie hindert Deutschland (und den Rest der Welt) nicht daran, Klimaschutz weiter ernst zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass die Amerikaner später einsteigen und dann umso teurer werden zahlen müssen (auch weil sie möglicherweise den technologischen Anschluss verpasst haben). Es könnte einen Anreiz darstellen, durch kluge politische und wirtschaftliche Maßnahmen Druck auf die Amerikaner aufzubauen, denn es ist ja nicht der Präsident, der konkret die Klimaziele gefährdet, sondern die amerikanische Wirtschaft, die lt. Medienberichten auch in der Breite keineswegs so dumm ist, dass sie Trump bedingungslos folgen würde. Denn Verhaltenssteuerung erfolgt nicht nur durch Rechtsnormen, sondern auch durch Einsicht und ökonomische Anreize, und in den Punkten kann Deutschland (allein oder mit anderen) Trump Paroli bieten. Und nicht zuletzt sei daran erinnert, dass das Pariser Protokoll zwar ein wichtiges politisches Manifest ist, aber eben kein durchsetzbarer und sanktionierter Vertrag: Es hat schon viele solcher internationaler Dokumente gegeben, deren Nichteinhaltung keinerlei Folgen hatte; hätte Trump den Rückzug nicht verkündet, sondern sich einfach nicht daran gehalten, wäre das Ergebnis dasselbe gewesen, nur eben ohne Medienrummel. Aber gerade um den ging es dem Präsidenten, und wir machen dankbar bei diesem Spiel mit.

Viel mehr als über Trump sollten wir uns Gedanken darüber machen, warum wir uns so mit ihm beschäftigen statt vor der eigenen Haustüre zu kehren und unsere Hausaufgaben zu machen. Oder sind unsere Klimaziele vielleicht doch schon erreicht?