Eine Welt voller Gerede

Welchen Sinn macht es, in einer Welt voller Gerede (und das muss man sich noch in der Mehrzahlform denken) noch die Stimme zu erheben?

Das Geschriebene als konservierte Worte hat seit der Erfindung der Buchdruckkunst kumuliert schon unglaubliche Ausmaße angenommen, aber man konnte darauf vertrauen, dass zumindest die meisten Autoren und Lektoren nur das zu einem Endprodukt werden ließen, was einen einigermaßen intellektuellen Inhalt verkörperte.

Die Verbreitung der Massenmultimedia hat dann die Unterhaltung und das Unterhaltsame in den Vordergrund gerückt, speicherbar und duplizierbar gemacht. Und die Digitalisierung und das Internet schließlich haben die blitzschnelle weltweite Verbreitung des banalsten gedanklichen Rülpsers ermöglicht.

Wenn sich nun angesichts dessen inzwischen neun Milliarden Menschen und eine potenziell unbegrenzte Zahl Chatbots u. Ä. ohne Unterlass, ohne Selbstkontrolle und ohne Scham äußern und informationsviral vermehren, ertrinkt die Welt in einer neuen Form der Sintflut, nämlich der des Geredes.

Auf welche Arche soll der Einzelne sich da noch retten? Auf die des Filterns, Abschaltens, Nichthinhörens, Ignorierens, Vergessens und Schweigens. Wenn man Glück hat, finden sich Schicksalsgenossen auf der Flucht, die eine Parallelweltinsel gefunden und bewohnbar gemacht haben.

Und die Menschheit als Ganzes? Für sie wird es nur einen Berg Ararat geben, wenn sich genügend kompatible Parallelwelten etablieren können, die als Bewahrer des intellektuellen Schatzes der Menschheit agieren und vielleicht sogar schaffen, die Entscheider mit so viel Grips und relevanten Informationen auszustatten, dass das Gesellschaftssystem funktionsfähig bleibt.

So beantwortet sich dann auch die eingangs gestellte Frage: Wer Geld verdienen will, bediene den Geschmack der Massen, treibe immer auf der höchsten Welle, ohne einen Ankerplatz zu suchen. Wer höhere Werte hat und zum Überleben des Planeten beitragen will, muss zu den Pionieren und Siedlern zukunftstauglicher Parallelweltinseln zählen.