Traumaprofiteure

Traumen haben vielfältige Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit der Menschen, die von der oft verwendeten pauschalen Bezeichnung „Post-Traumatische Belastungsstörungen“ sehr unzureichend charakterisiert werden.

Befasst man sich mit dem Grundprozess der Traumatisierung aufgrund einzelner schockierend-überwältigender Ereignisse und/oder Bindungen/Beziehungen, erkennt man das Erklärungspotenzial für eine große Vielfalt von Erkrankungen jeglicher Art. Und man wundert sich, dass so wenige Psychologen auch nur in der Lage wären, eine Traumatisierung zu erkennen, geschweige denn einen Heilungsprozess zu initiieren und begleiten. Von den Ärzten kann man ein entsprechendes Verständnis erst recht nicht erwarten, da sie ja nur für den Körper zuständig sind (und offenbar keinerlei Interesse an umfassender Heilung, sondern nur an Behandlung haben).

Einig ist man sich darin, dass die von Traumen Gepeinigten Geschädigte sind, die leiden und kompetente Hilfe benötigen. Und zurecht spricht man von ihnen als „Opfer“, die keinerlei Verantwortung für das tragen, was ihnen geschehen ist und sie belastet.

Übersehen wird dabei jedoch, dass das, was man als schlimme Traumatisierung thematisiert, auch im Kleinen existiert und die Menschen in ihrer „Persönlichkeit“ (i. w. S.) prägt. Letztlich wird es wenig Menschen geben, die gar kein Trauma erlitten haben. Die meisten haben Traumen erlebt und sie sind von ihnen geprägt, aber sie nehmen das hin als einen Teil ihres Charakters, ihres Schicksals oder ihrer Herkunft und beschäftigen sich nicht weiter damit, weil es ihr Leben nicht in dem Maße beeinträchtigt, dass sie es als behandlungsbedürftig betrachten würden.

Eigentlich könnte jeder davon profitieren, seine Traumen „abzuarbeiten“, denn erst dadurch findet er zu seinem wahren „Ich“. Traumarbeit ist Entwicklungsarbeit hin zu einer erfüllten und unverfälschten Persönlichkeit, die nicht gelenkt wird durch Erfahrungen, derer man sich oft nicht einmal bewusst ist.

Diese Sichtweise entspricht letztlich aber der Haltung, dass ein Trauma immer etwas Negatives ist und der Mensch entsprechend geheilt werden muss. Man kann dies allerdings auch anders sehen: In ihrer Strategie zur Bewältigung von (insbesondere frühkindlichen) Traumen entwickeln viele Menschen besondere Gaben, erhöhte Sensibilität und Einfühlungsvermögen, intellektuelles und spirituelles Interesse, Leidenschaften und Engagement usw. Kurzum: Sie entwickeln besondere Persönlichkeiten, die sie aus der Masse heraustreten und ein besonderes Leben leben lassen, zu dem sie sonst keinen Zugang gehabt hätten. Sie sind die Überflieger, Leistungsträger, Kreative, Wissenschaftler und Leader, welche die Gesellschaft prägen. Ohne Trauma wäre ihnen dies (vermutlich: Testen kann man das nicht) vorenthalten geblieben.

Wirklich verstanden hat man diese Zusammenhänge bis heute nicht. Und vermutlich ist es richtig, sich in erster Linie um jene zu kümmern, die unter der Traumatisierung leiden oder durch sie zu gefährlichen Individuen werden.

Dennoch könnte das Eingeständnis, dass es auch Traumaprofiteure gibt, z. B. im Rahmen eines Heilungsprozesses positive Impulse geben, wenn man versucht, nicht alles rückgängig zu machen, sondern den durch die Traumatisierung entstandenen Input umzuleiten und zu einem positiven Ergebnis beitragen zu lassen.

Bücherschrumpfen

„Es wäre mir recht, wenn Sie die geschriebenen Wörter und Sätze in diesem Buch so lesen würden: Erlauben Sie all den Dingen, die Sie nicht brauchen können, sich einfach zu verflüchtigen. Es wäre nicht schlecht, wenn man Bücher drucken könnte, in denen bei jedem Leser nur die Sätze übrig bleiben, die für ihn wichtig waren. Die anderen könnten verschwinden oder verblassen wie eine Geheimschrift. Wenn die übrig gebliebenen Sätze dann auch noch zusammenrücken würden, könnten wir unsere privaten Bibliotheken schön verkleinern.“

Hanne Seemann, Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen, Stuttgart 2007/2016 (10. Aufl.), S. 7.

Und am allerliebsten wäre es mir, ich wüsste schon vor Beginn des Lesens, wie dick ein solchermaßen geschrumpftes Buch in Wirklichkeit ist bzw. wird.

Freiheitsrationierung

Alle Welt lobt das epochale Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur deutschen Klimapolitik. Erstmals sei geurteilt worden, dass Beschränkungen der Freiheit sich nicht nur zugunsten der derzeit Lebenden ergeben können, sondern auch zugunsten zukünftiger Generationen.

Man reibt sich die Augen: Dass so eine Selbstverständlichkeit erst dann in das (politische) Bewusstsein dringt, wenn es schwarz auf weiß nachzulesen ist, ist vor allem ein Indiz dafür, wie kurzfristig (zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung) Politik (bzw. politische Diskussionen) ausgelegt ist und für wie selbstverständlich dabei die Annahme gilt, dass der jeweils relevante Zeithorizont immer nur bis zur nächsten Wahl reicht.

In Wirklichkeit hat natürlich die Politik immer auch schon Entscheidungen mit langfristiger Wirkung getroffen: Abschaffung der Wehrpflicht, Schuldenbremse, Atomausstieg usw. Aber damit war in aller Regel keine oder nur eine kaum spürbare Einschränkung der aktuellen Freiheit verbunden. Jetzt aber heißt es: „Zumutungen“ können und sollten auch die jetzt Lebenden spürbar treffen. Das war bisher vor allem eine Forderung der Grünen, die diese allerdings angesichts ihrer negativen Auswirkungen auf Wahlergebnisse in den letzten Jahren eher zurückhaltend formuliert haben.

Was hier juristisch-politisch als Freiheitseinschränkung bezeichnet wird, kann man umgangssprachlich auch als Verpflichtung zum Verzicht bezeichnen. Und wenn (wie zu erwarten ist) die individuelle Einsicht in die Notwendigkeit des Verzichts wohl nicht pandemieartig um sich greifen wird, dann bleibt nur die Zwangsregulierung. Diese ist zwar auch nicht ohne Probleme, wird aber irgendwann mangels Freiwilligkeit wirklich alternativlos. Den ersten kleinen Schritt in diese Richtung hat das Bundesverfassungsgericht jetzt vorgegeben.

Verdummungslernen

„Wer nichts lernt, bleibt dumm.“

Das ist per Definition richtig, aber interessanterweise ist die negative Umformulierung dieser Aussage falsch. Denn die Aussage „Wer etwas lernt, wird klug“ stimmt so nicht, zumindest nicht, wenn man dem eine allgemeingültige Bedeutung beimisst.

Denn es gibt ein rein wissensorientiertes Lernen, das verblödet, weil es Menschen zu Fachidioten macht. Je mehr Expertise nämlich jemand in einem Bereich erwirbt, desto mehr glänzt er durch Nichtwissen in anderen Bereichen und desto anfälliger wird er für einseitig begründete Entscheidungen und letztlich fehlgesteuertes Verhalten.

Das erklärt sich aus zweierlei Gründen:

  • Das aufgehäufte Wissen des Experten wird durch die im Übrigen herrschende Ignoranz entwertet, weil es seinen Kontext verliert, der Wissende es immer weniger einordnen und nutzbringend anwenden kann und sich als Fachmann letztlich in einer Wissensblase bewegt. Im Gesamtsystem wird die Kommunikation zwischen diesen Wissensinseln immer schwieriger und seltener, und komplexe Probleme werden zwangsläufig soweit vereinfacht, dass der Experte es mit seinem fachlimitierten Wissen und seinen fachspezifischen Methoden bearbeiten kann. Da die Realität nun mal aber komplex ist, führt dies zwangsläufig zu wissensinduzierten Irrtümern und Fehlern.
  • Diese einseitig Hochgebildeten sind meist nicht mehr in der Lage, ihr Nichtwissen zu erkennen und ihre Expertise zu relativieren, d. h. in ihrer Tragweite und Nützlichkeit realistisch einzuschätzen. Viele halten ihr Gedankengebäude für die Realität und propagieren Meinungen und Problemlösungen, die einseitig und damit inadäquat die Realität beschreiben und auch gestalten.

Natürlich trifft das nicht auf alle zu. Aber es ist sehr auffällig, wie stark Lehrer, Professoren, Wissenschaftler und sonstige Experten ihr Verständnis der Welt verabsolutieren und sich auf Meinungsstreitigkeiten einlassen, deren einziger Grund die Tatsache ist, dass jeder nur seine einseitige Sichtweise kennt und andere Perspektiven damit nicht verknüpfen kann.

Je mehr jemand das Fachspezifische beherrscht, desto mehr verlernt er die Intuition, den gesunden Menschenverstand, ein komplexes Problemverständnis und die Bereitschaft, andere Ansichten zu verstehen und mit der eigenen Perspektive in Einklang zu bringen.

Wirklich klug-gelernte Menschen dürfen gerne fachlich versiert sein. Sie verfügen aber immer auch über Meta-Wissen, sind sich der Grenzen ihrer eigenen Kompetenzen bewusst und jederzeit bereit, den eigenen Horizont durch andere Expertisen zu erweitern, Disziplingrenzen zu überschreiten und zu einem integrierten Verständnis zu gelangen.

Gesellschaftlich bedeutet dies insbesondere, dass es gefährlich ist, Experten zu Politikberatern zu machen, wenn hier nicht für Multidisziplinarität und Ausgleich gesorgt wird. Die jahrzehntelange ziemlich einseitige Dominanz der Ökonomen z. B. hat uns einen sehr prekären Wohlstand, aber maximale Umweltprobleme beschert. Wenn in diesen Pandemiezeiten nun Virologen und andere Naturwissenschaftler die Entscheidungshoheit erlangen, muss man sich nicht wundern, wenn ohne ausreichendes Gegengewicht demnächst soziale (und wirtschaftliche) Probleme aus dem Ruder laufen.

Gestohlene Kindheit

Was machen wir bloß mit der Kindheit unserer Kinder?

Wir haben das Vertrauen in ihre natürliche Entwicklungsfähigkeit verloren, saugen uns mit Erziehungsratgebern voll, die vorgeben, wie man „das“ Kind (als standardisierter neutraler Gegenstand) zu erziehen habe, und wollen sie gegen jegliche Gefahren und negative Erfahrungen schützen. Wir geben ihre Erziehung an Schulen ab, welche ihre individuelle Persönlichkeitsentwicklung vor allem behindern, von zu viel überforderten Lehrern bevölkert werden und vor lauter Regularien ihrem eigentlichen Sinn und Zweck aus den Augen verloren haben. Und wir treten vehement dafür ein, dass diese schulbedingte Unmündigkeit möglichst bis zum 19. Lebensjahr durchgehalten wird. Die Talentierten werden unterfordert, die weniger Begabten überfordert, wirklich in seinen persönlichen Eigenheiten gefördert wird kaum jemand. Das Alles beschönigen wir mit dem Ziel der „gleichen Bildungschancen für alle“, das als möglichst einförmiges Beschulen für alle missverstanden wird.

Damit die Kinder im Schulsystem auch möglichst gut „performen“ – davon hängt schließlich der Zugang zur Hochschulbildung ab, und teilweise sogar die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung, die beide letztlich für das Lebenszeiteinkommen entscheidend sind – , wird ihre Entwicklung kontinuierlich optimiert. Bei manchen beginnt das schon im fötalen Status (Berieselung mit der richtigen Musik), bei anderen in der Kita (spielerisches Erlernen einer Fremdsprache), auf jeden Fall im Kindergarten, in dem es zwingend intelligenz- bzw. schulerfolgsfördernde Beschäftigung geben muss.

Und wenn der Nachwuchs-Produktionsgegenstand sich dann doch nicht wie gewünscht entwickelt, werden Nachhilfelehrer, Kinderpsychologen, Kieferorthopäden oder gar Schönheitschirurgen engagiert, um das angestrebte Optimierungsziel doch noch zu erreichen.

Was mögen diese Kinder wohl darüber denken, wenn sie dereinst erwachsen geworden sind? Welche Art Menschen werden sie sein? Werden sie nach jahrelanger Indoktrinierung überhaupt noch erkennen können, was ihnen fehlt? Werden sie ihre fehlende Kindheit unbewusst nachholen und dem Druck des Erwachsenendaseins ausweichen wollen? Werden sie angesichts der misslungenen Kindheit körperlich und seelisch anfälliger sein und ihren hart erkämpften materiellen Wohlstand dazu nutzen (müssen), ihre Gesundheit und ihr Gleichgewicht zu retten? Wie werden sie ihrerseits ihre Kinder erziehen?

Warum hat ausgerechnet die Elterngeneration, der es in der Menschheitsgeschichte materiell am besten geht/gegangen ist, so wenig Verständnis für das Kindseinbedürfnis? Welche eigenen Defizite versuchen wir dadurch zu kompensieren? Warum übertragen wir unseren Wunsch nach Lebensglück in diesem Ausmaß auf die „Leistungen“ unserer Kinder? Warum betrachten wir jene misstrauisch, die den Mut haben, ihre Kinder nicht diesem Zeitgeist zu unterwerfen?

Die Zukunft wird diese Fragen mehr oder wenig deutlich beantworten. Wenn alles gut läuft, wird die heranwachsende Generation aus unseren Fehlern lernen. Ob und in welchem Maße die Umstände dann noch ein Umdenken und Umschwenken erlauben, wird sich zeigen. Die Gentechnik jedenfalls steht bereit, den Wunsch der generationsweisen Weiteroptimierung der Nachkommen zu verstärken und damit die Neigung, den Verlust der unbeschwerten Kindheit als überholte Nostalgie einzelner Zukunftsverweigerer darzustellen. Retten könnte die zukünftigen Kinder vielleicht das angeborene Bedürfnis nach unbeschwerter Persönlichkeitsentwicklung. Aber vielleicht kann man ja auch das wegtherapieren.

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„Wir zögerten das Ende der Kindheit so lange wie möglich hinaus. Heute ist die Welt voller Pläne, wie man Kinder am schnellsten zu Erwachsenen macht. Kindheit ist kein Zeitabschnitt, Kindheit ist ein Lebewesen, das nach und nach wie viele andere Lebewesen ausgerottet wird. Die Kinder der Welt gehören ihren Völkern nicht mehr. Sie sind ein über den Erdball verstreutes Volk, das nun vom Volk der Erwachsenen besiegt unter den Bedingungen des Siegers lebt. Dieser Gedanke fällt mir immer wieder ein, wenn ich durch deutsche Städte gehe und die Spielplätze der Kinder sehe. Es sind Reservate. Wir hatten in Damaskus richtige Bäume mit Früchten, Dornen und Blüten. Hier stehen auf den Spielplätzen merkwürdige Konstruktionen aus totem Holz, Kunststoff, Beton und Stahl.“

Rafik Schami, Die Farbe der Worte. 34 Kalendergeschichten, Hörbuch WDR 1999, CD 2, Track 14

Der bessere Staat

Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Qualität eines Sozialsystems, d. h. ob und wie „gut“ es funktioniert. Das gilt gleichermaßen für Familien, Organisationen und Staaten. Hier soll es nur um Letztere (und deren Unterteilungen) gehen. In der aktuellen Pandemie, aber nicht erst hier, zeigen sich beispielhaft die Überforderung, der Kompetenzmangel, die Langsamkeit oder die Planlosigkeit der öffentlichen Einrichtungen auf den verschiedenen staatlichen und überstaatlichen Ebenen, und sei es nur im Ermitteln entscheidungsrelevanter Daten.

Das wird gerne einseitig als (strukturelles) Systemproblem oder -versagen thematisiert, d. h. die Institutionen sind „schuld“ und müssen reformiert werden. Wenn es dann darum geht, wie dies geschehen sollte, beschränkten sich die Diskussionen der letzten Jahrzehnte auf die gedankliche Alternative „mehr bzw. weniger Staat“. Für die einen ist das Staatliche notwendig und positiv besetzt – also mehr davon – , für die anderen der Grund allen Übels und negativ besetzt – also möglichst weniger davon. Gründe für die jeweiligen Positionen ließen/lassen sich immer finden, auch wenn es sich meist um wenig substanziell untersuchte Beispiele handelt.

Gleichzeitig haben sich beide Denkrichtungen auch nicht durch eine übermäßige Differenzierungsfähigkeit hervorgetan. Zwar gab es Versuche, einen „dritten Weg“ irgendwo dazwischen zu finden, aber da fast alle Staaten faktisch irgendwie dazwischen waren, blieb es letztlich bei den beiden Polen, zwischen denen das Pendel der politischen Mehrheiten und Optionen sich hin und her bewegt(e).

In den letzten dreißig Jahren haben sich in den westlichen Ländern (wirtschafts)liberale Überzeugungen durchgesetzt und zu einem weitgehenden Rückzug des Staates geführt. Die Tatsachen, dass wir inzwischen in einer globalen Schicksalsgemeinschaft leben, und dass Öko-, Finanz- und Sozialsysteme am Rande ihrer Funktionsfähigkeit entlangschlittern, sollten aber heute zwingende Gründe dafür sein, nicht individuelle, sondern kollektive Interessen zu priorisieren, und das bislang einzige brauchbare System dazu sind Staaten und ihre zwischen- und überstaatlichen Organisationen.

Aber auch diese müssen sich weiterentwickeln. Sowohl für einzelne Staaten als auch für das globale Staatensystem geht es dabei inzwischen aber nicht mehr nicht um „mehr oder weniger“ Staat, sondern um einen „besseren“.

Die dominierende quantitative Sichtweise – mehr oder weniger – muss m. a. W. durch eine primär qualitative ersetzt werden. Ein besserer Staat kann dabei durchaus mit weniger Bürokratie, einfacheren Verfahren usw. agieren, er muss es nur besser tun.

Was ist also unter einem „besseren Staat“ zu verstehen?

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Experten-Entfremdung

In der Corona-Pandemie spielen Wissenschaftler eine wichtige Rolle. Den einen ist das zu viel Wissenschaftlichkeit, den anderen zu wenig. Zu Letzteren zählen die meisten Wissenschaftler selbst. So hat sich eine Gruppe von sieben Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen zu Wort gemeldet (ZEIT 18.2.2021, S. 33), die mit der bisherigen Strategie der „Politik“ und den darauf beruhenden Maßnahmen unzufrieden ist.

So weit, so gut. Nach der Lektüre ihres Textes fragt man sich aber, wo angesichts von Klugdünkel  und Realitätsferne der Mehrwert liegt. Und vor allem, welchen Kollateralschaden die Sieben damit anrichten und wie man der Wissenschaft mehr Gehör verschaffen könnte. Weiterlesen

Leben auf der Erde

Gab es irgendwann Leben auf dem Mars? Zur Beantwortung dieser Frage werden  Abermilliarden ausgegeben (s. die Beispiele der Mars-Projekte Mars Perseverance oder Mars One, oder die diesbezüglichen Zukunftspläne der NASA).

Und wieviel Geld wird für die Beantwortung der Frage ausgegeben, ob es irgendwann noch Leben auf der Erde geben wird?

Biologisches Risiko Mensch

Bisher dachte man, die natürliche Umwelt sei das schwächste Glied in der ökologischen Kette. Durch Corona haben wir gelernt, dass es der Mensch selbst ist. Zwar wussten wir, dass er der Zerstörer ist, aber die Menschheit glaubte überwiegend, sie werde durch ihre Macht über die Technik überleben. Jetzt wissen wir, dass die Biologie des Menschen seine Schwachstelle ist.

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Kreuz- und Quergedenke

Es wird zur Zeit viel Aufhebens gemacht von „Querdenkern“ und Konsorten. Warum eigentlich? Halbgare Ideen, schwache Argumente, fehlerhafte Logik, schwülstiges Gerede und Verweigerung der Realität hat es immer schon gegeben und als solches nie viel bewirkt.

Ein wesentlicher Unterschied zu früher ist allerdings, dass diese Leute jetzt organisiert auftreten. Das hebt zwar nicht die Qualität, wohl aber steigert es die Quantität. Und das reicht, um die Demokraten aufzuwecken, weil „ihre“ Demokratie plötzlich gefährdet erscheint, womit sie (wie z. B. der bayrische Ministerpräsident) in Wirklichkeit ihre Mehrheit meinen. Bei genauer Betrachtung bringen diese z. T. antidemokratischen Reaktionen auf die Proteste die Demokratie eher in Gefahr als das Sammelsurium uneiniger Protestler. Insoweit sollte man die „Feinde der Demokratie“ anderswo suchen als bei Letzteren.

Mich stört viel mehr, dass der Begriff „Querdenker“ von diesem Denkproleten gekapert wurde. Was früher als Lob gedacht war, weil der Schwerpunkt auf „-denker“ lag, ist heute zu einem „Kreuz- und Quergedenke“ von Wirrköpfen verkommen, die sich zudem noch bereitwillig von außen manipulieren lassen. Während echte Querdenker eigentlich frische, neue Sichtweisen in eine Diskussion einbringen und das Denken bereichern, stiften die heutigen Querdenker vor allem Verwirrung und Dummheit.

Wenn wir ihnen dennoch den Gefallen tun, sie ernster zu nehmen als es ihnen gebührt, dann liegt das wohl auch daran, dass die echten Querdenker selten geworden sind. Sie sind Außenseiter bzw. sie werden zu solchen gemacht (auch und gerade von den „Demokratiefreunden“) und möglichst ignoriert. Nur wer provoziert und auf Krawall macht, hat noch eine Chance, in die mediale Aufmerksamkeitszone zu gelangen. Und das macht es für die Möchtegernquerdenker leicht, sich selber diesen Nimbus zu geben und den Begriff zu kapern.

Mal schauen, wie lange die Mehrheitsdenke benötigt, um wieder „Ordnung“ herzustellen. Ungelegen kommt es ihr jedenfalls nicht, Querdenker undifferenziert schlechtzureden.