Bisher dachte man, die natürliche Umwelt sei das schwächste Glied in der ökologischen Kette. Durch Corona haben wir gelernt, dass es der Mensch selbst ist. Zwar wussten wir, dass er der Zerstörer ist, aber die Menschheit glaubte überwiegend, sie werde durch ihre Macht über die Technik überleben. Jetzt wissen wir, dass die Biologie des Menschen seine Schwachstelle ist.
Der Mensch hat sich zu sehr als geistiges und fühlendes Wesen verstanden, dessen Defizite durch technische Errungenschaften kompensiert werden konnten. Die zahlreichen chronischen und unheilbaren Krankheiten körperlicher und psychischer Natur hätten uns zwar längst eines Besseren belehren müssen. Aber zu dieser grundlegenden Erkenntnis sind wir nicht vorgedrungen, sondern wir haben uns eingeredet, unser „Gesundheitssystem“ werde es schon richten. Das entspricht der Erfahrung, dass wir zwar wissen, dass wir durch die Naturzerstörung unsere Lebensgrundlagen untergraben, die Klimakatastrophe aber zu fern und langfristig war/ist, als dass wir sie als existenziell bedrohlich empfinden würden.
Corona aber ist rasant und greift nicht die Umwelt an, sondern direkt den Menschen, mit unmittelbar sichtbaren Folgen. Das ist zielgenau und klug von der Natur, um die Menschen vielleicht doch noch zur Räson zu bringen. Dabei ist diese Bedrohung noch vergleichsweise harmlos. Aber die (zu erwartenden) ersten Coronamutationen, die langen Impf(warte)zeiten und die mögliherweise schwache Impfwirkung werden das ganze System aufheizen und einen Vorgeschmack darauf liefern, was passiert, wenn die Gefahren wirklich existenziell werden.
Vielleicht wird die Pandemie nur ein Warnschuss vor den Bug, vielleicht auch eine Entwicklung, die man noch als „Rettungskatastrophe“ be- und verwerten kann, vielleicht aber auch der GAU, der ein neues Zeitalter einläutet.
Aber selbst wenn Corona „besiegt“ werden kann, ist die nächste Pandemie oder Gesundheitskatastrophe nur eine Frage der (kurzfristigen) Zeit, wenn nicht ohnehin bereits das Klima auf‘s Gas drückt und unseren Handlungsdruck spürbar erhöht.
Fraglich ist so oder so früher oder später, ob die Menschen, die nach einer Katastrophe übrigbleiben, „naturkompatibel“ sind und auf die Karte des Überlebens mit Natur setzen, oder aber versuchen, durch noch größere Naturentfremdung ihre Zukunft zu sichern, so wie es in manchen Science-fiction-Geschichten ja schon der Fall ist.
Ersteres erscheint wie Nostalgie, und die Geschichte lehrt, dass einmal gemachte Entwicklungen sich nicht rückgängig machen lassen. Anderseits erscheint Letzteres nur sinnvoll und gangbar, wenn der Mensch „entbiologisiert“ wird. Was immer das bedeuten mag, es wird nur in ferner Zukunft realisierbar sein.
Kurz- mittelfristig wird es daher darauf ankommen, das System inkl. Menschheit funktionsfähig und in einem dynamischen Gleichgewicht zu halten. Allerdings ist dieses Systemdenken nicht weit verbreitet und vor allem sind die globalen Abstimmungsprozesse und Konzessionsbereitschaften inexistent oder zu ineffizient. Das liegt auch daran, dass die Menschen sich weltweit als Krone der Schöpfung betrachten und ihren (letztlich bescheidenen) Platz im System noch nicht gefunden haben, sondern glauben, das System von außen steuern zu können.
Die positivste Wirkung bzw. Lehre von Corona wäre daher, die Einsicht der Menschheit in diese Systemnotwendigkeit und Relativierung der eigenen Bedeutung angesichts seiner biologischen Bedingtheit zu fördern.