G9? G8? Gelaber!

Seit Jahren wird in den Bundesländern darüber diskutiert und politisiert, entschieden und kritisiert, welche Schuldauer für GymnasiastInnen angemessen sei. Dazu ist inzwischen eigentlich alles gemeint, aber wenig bewiesen worden. Nachdem man inzwischen einige Erfahrungen sammeln konnte, hat sich kürzlich im Auftrag der Mercator-Stiftung Prof. O. Köller vom Kieler Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik die vorliegenden Erkenntnisse angesehen und sie wissenschaftlich ausgewertet (Langfassung bzw. Kurzfassung).

Dabei kam einiges Ernüchterndes zutage (Zitate kursiv), das man in einem weiter gefassten Kontext nur bestätigen kann: Weiterlesen

Lebenslänge und Lebensgelingen

„Alle Menschen sind sterblich.“ Noch gilt dieser Spruch. Aber wie lange noch?

Wenn man den neuesten Forschungsergebnissen Glauben schenkt (s. ZEIT 6.4.17, S. 29 ff., SPIEGEL 16/2017, S. 12 ff.), sind die Erkenntnisse so weit gediehen, dass zumindest die jüngere Generation ernsthaft davon träumen darf, ihr Leben nennenswert verlängern zu können, und zwar in einem frühen Stadium und nicht erst als Greise.

Es liegt nahe, zu vermuten, dass die meisten Menschen diese Chance werden nutzen wollen. Aber geht damit wirklich ein Menschheitstraum in Erfüllung, wie gerne behauptet wird? Vieles spricht dafür, dass dies für die Menschheit insgesamt (und unseren Planeten) eher zum Albtraum wird.

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Gesetzlich garantierte Endlagerlösung

Mehr als einmal hat man bei Gesetzgebungsverfahren den Eindruck, dass die öffentlichen Diskussionen nur pro forma geführt werden, während die echten Entscheidungen längst anderswo getroffen wurden.

Ein besonders gelungenes Schauspiel (oder im modern speak: Fake) spielt sich gerade in Sachen Gesetz über die Regelung der Suche nach einem Atommüllendlager in Deutschland ab (offiziell Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle, BT-Drs. 18/11398).

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Helldenker

Hellhörig ist ein Mensch, der mit besonderer Aufmerksamkeit, Sensibilität oder Teilnahme zuhört und dabei auch das Unausgesprochene wahrnimmt.

Hellsichtig ist ein Mensch, der mit scharfem und fokussiertem Blick etwas anschaut, und dabei das scheinbar Offensichtliche durchschaut.

Helldenkerig nenne ich die Eigenschaft eines Menschen, mit offenem Geist, hellhörig und hellsichtig die Welt wahrzunehmen und, die Fallstricke der Sprache meidend, ihnen denkend auf den Grund zu gehen, und dabei das Verstehbare ins Bewusstsein zu bringen.

Herrscher des Zufalls

Zufälle prägen unser Leben, da gibt es keine Zweifel.
Das beflügelt die einen und ängstigt die anderen. Zufälle eröffnen Chancen, bieten Gelegenheiten, sorgen für überraschende Abwechslung. Aber sie bringen auch Unfälle, Krankheiten, Feindschaften.

Gemeinsam ist allen dasselbe Verständnis, dass man Zufälle nicht steuern, nicht beeinflussen und nicht vorhersehen kann.

Zufälle gibt es nicht nur im gesellschaftlichen Zusammenleben, das ohnehin wirr und schwer erklärbar ist, sondern auch in der Natur, die ja eigentlich kausalverbindungsgeprägt unserem Ordnungs- und Beherrschungsbedürfnis ziemlich entgegenkommt. Aber auch die Natur nimmt sich die Freiheit, gelegentlich irrational oder unvorhersehbar (bzw. nicht nachvollziehbar) zu funktionieren.

Aber weil wir diese Denke nicht wirklich ablegen können, wird der Zufall in der Realwelt auch gerne als Beweis dafür genommen, dass es keinen Schöpfergott geben könne. Zufall und Darwinismus reichen angeblich, um alles zu erklären. Genau genommen ist der Zufall hier zwar nur ein anderes Wort für „Erklärungsnotstand“, den sich Wissenschaftler natürlich ungerne eingestehen. Aber versuchen wir, den Gedanken trotzdem ernst zu nehmen: Warum sollen Gott und Zufall unvereinbar sein?

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Politik und Schulen am PULSS der (Hoch-)Begabten?

Angesichts der Tatsache, dass Schulpolitik sich lange Zeit fast ausschließlich damit beschäftigt hat, die Integration bzw. Inklusion sozial, bildungsmäßig und gesundheitlich Schwacher, Gefährdeter oder Benachteiligter zu verbessern (eigentlich zurecht), die Statistiken erfolgreicher Schulbewältiger bzw. -abgänger durch alle möglichen Tricks nach oben zu treiben (zu Unrecht) und das PISA-Trauma zu verarbeiten (na ja …), freut man sich über jede Aufmerksamkeit, die begabten Schülerinnen und Schülern geschenkt wird.

Worauf das neuerliche Interesse an dieser Gruppe zurückzuführen ist, kann man nur erahnen. Beigetragen haben dürfte aber die verallgemeinerte Erfahrung, dass die Förderung Begabter nicht nur diesen selbst zugute kommt, sondern auch der Gesellschaft insgesamt – und nicht zuletzt den Statistiken … Weiterlesen

Facebook, Fakebook und Faktbook

Das derzeit allerorts beobachtete und allseits kommentierte Postfaktische ist m. E. weniger ein Beispiel dafür, dass heute mehr geschummelt, erfunden und gelogen wird, als vielmehr dafür, dass sich diejenigen, die sich im Besitz der faktenbasierten Wahrheit wähnten, sowohl mit einer neuen Realität auseinandersetzen als auch mit einer neuen Sichtweise hierauf anfreunden müssen.

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Postfaktisch, prärational

Zu den derzeit am häufigsten verbreiteten Scheinwahrheiten zählt die Aussage, wir lebten „ja bekanntlich in einem postfaktischen Zeitalter“. Dass das „bekanntlich“ dazu dient, das eigene Nachplappern als eigenständig erarbeitete Erkenntnis aussehen zu lassen, bedarf keiner weiteren Kommentierung. Wohl aber der Kern der Aussage vom neuerdings (?) angebrochenen postfaktischen Zeitalter.

Nicht gemeint sein kann damit, was das Wort „postfaktisch“ eigentlich ausdrückt, nämlich dass wir die Fakten überwunden bzw. hinter uns gelassen hätten. Denn solange es ein Sein gibt, gibt es Fakten. Und noch ist unsere Welt nicht untergegangen.

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Individualmedizin

Der größte gedankliche Fehler der Medizin besteht darin zu glauben, alle Menschen seien gleich bzw. funktionierten in gleicher Weise, so dass es letztlich nur darum gehe, die richtigen Therapien oder Medikamente – einheitlich für alle – zu finden.

In einigen Jahrzehnten wird man vermutlich erkannt haben, dass die Menschen sich in vielerlei – und vor allem auch medizinisch relevanter – Hinsicht unterscheiden. Zu den prägendsten Unterscheidungsmerkmalen zählt die Psyche, die gleichzeitig so individuell und so eng mit dem Körper verbunden ist, dass – abgesehen von unfallbedingten Ursachen – wohl kaum eine Erkrankung identisch mit einer gleich bezeichneten bei einem anderen Menschen ist. In der Behandlung spielt darüber hinaus auch das Verhältnis Arzt – Patient eine wichtige Rolle, die manchmal größer ist als die Art der angewandten Therapie.

Erst wenn die Medizin diese Individualisierung erfolgreich bewältigt, wird sie den nächsten Quantensprung in der medizinischen Entwicklung schaffen. Bis dahin bleibt den Patienten nur die Möglichkeit, diese Individualisierung durch Selbsterkenntnis zu unterstützen und einen Arzt zu finden, der hierfür ein offenes Ohr und das richtige Gespür besitzt.

KI statt IQ?

Zum Metier der Journalisten zählt eindeutig das Bangemachen. Wenn ihnen nichts Sinnvolles einfällt, oder sie einem Sachthema mehr ‚Brisanz‘ verleihen wollen, erfinden sie einfach Szenarien möglicher zukünftiger Entwicklungen mit dramatischen Folgen. Der typische Angst-Deutsche liest so etwas gerne, bestärkt es ihn doch in seiner psychischen Verfasstheit, und folglich sind dann auch Verleger und/oder Herausgeber zufrieden.

Da wir in einer Welt leben, in der fast alles in ständiger Veränderung begriffen ist, und es keiner großen Einbildungskraft bedarf, einzelne aktuelle Tendenzen ins Negative bis Dramatische zu extrapolieren, finden sich leicht Themen, die man solcherart ‚aufarbeiten‘ kann, ohne dass es uns irgendwie weiterbringt.

Natürlich sind Gedankenspiele und Szenariobeschreibungen wichtige intellektuelle Instrumente der Zukunftsanalyse und -gestaltung. Was dabei von den Medienschaffenden geleistet wird, ist allerdings weit überwiegend von minderer Qualität.

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