Der größte gedankliche Fehler der Medizin besteht darin zu glauben, alle Menschen seien gleich bzw. funktionierten in gleicher Weise, so dass es letztlich nur darum gehe, die richtigen Therapien oder Medikamente – einheitlich für alle – zu finden.
In einigen Jahrzehnten wird man vermutlich erkannt haben, dass die Menschen sich in vielerlei – und vor allem auch medizinisch relevanter – Hinsicht unterscheiden. Zu den prägendsten Unterscheidungsmerkmalen zählt die Psyche, die gleichzeitig so individuell und so eng mit dem Körper verbunden ist, dass – abgesehen von unfallbedingten Ursachen – wohl kaum eine Erkrankung identisch mit einer gleich bezeichneten bei einem anderen Menschen ist. In der Behandlung spielt darüber hinaus auch das Verhältnis Arzt – Patient eine wichtige Rolle, die manchmal größer ist als die Art der angewandten Therapie.
Erst wenn die Medizin diese Individualisierung erfolgreich bewältigt, wird sie den nächsten Quantensprung in der medizinischen Entwicklung schaffen. Bis dahin bleibt den Patienten nur die Möglichkeit, diese Individualisierung durch Selbsterkenntnis zu unterstützen und einen Arzt zu finden, der hierfür ein offenes Ohr und das richtige Gespür besitzt.