Joffendoof

Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr auf jede Dummheit in Sachen TTIP&Co zu reagieren (siehe TTIP-Wahn), aber Josef Joffes ‚TTIPleite‘ (ZEIT 22.9.2016, S. 10) ist ein so wirres Gedankengemisch, wie es ein Primitivpopulist ärger nicht mixen könnte. Von differenzierender Analyse kann hier keine Rede sein, schon gar nicht von einem fundierten Plädoyer für eine Sache, die zwar eindeutig abzulehnen, aber einer ernsthaften Auseinandersetzung würdig ist.

Mit dem Vertragswerk, seinen Voraussetzungen und möglichen Wirken – also den Fakten – setzt Joffe sich in der Tat keine Sekunde auseinander. Vielmehr assoziiert, amalgamiert und schwadroniert er wild drauflos. Weiterlesen

TTIP-Wahn

Manchmal hat man den Eindruck, TTIP ist kein auszuhandelnder internationaler Vertrag, sondern eine Droge, die jedem, der sich mit diesem Thema oberflächlich beschäftigt, ganz schön das Hirn vernebelt.

Das ist gerade dann besonders ärgerlich, wenn angeblich neutrale Journalisten offenbar das dringende Bedürfnis verspüren, sich diesem Rausch hinzugeben. Dazu reicht es, im Studium mal ein paar Sätze von Freihandelstheorie gehört zu haben, und schon glauben sie, die Welt mit diesem unnuancierten und undifferenzierten Scheinwissen beglücken zu wissen.

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Könnte mal jemand Hirn stiften?

Stiftungen

Zu den Dingen, die bei fast jedem einen positiven Gedanken-Frame auslösen, zählen Stiftungen: Geld für gute Zwecke, was soll daran auch falsch sein?

Kurioserweise ist es bei Steuern umgekehrt, obschon es auch hier um Geld für gute Zwecke geht. Liegt es an der Freiwilligkeit? Oder daran, dass bei Steuern alle ran müssen, Stiftungen aber nur auf der Initiative weniger beruhen? Oder funktioniert die Gehirnwäsche in Sachen Stiftungen so gut, dass wir jede kritische Distanz verloren haben?

Wie dem auch sei, Stiftungen sind in Deutschland in. Auch die ZEIT ist ein großer Stiftungsfan, wohl nicht zuletzt auch, weil diese wöchentlich schöne Anzeigenerträge generieren. Dummerweise schlägt diese Begeisterung dem einen oder anderen Redakteur arg aufs Gehirn, so letztens M.J. Hartung und M. Spiewak (ZEIT vom 21.4.16). Unter dem Titel „Jetzt wird nachgerechnet“ tauchen ungeprüfte Allgemeinplätze und ideologiegeprägte Behauptungen auf, die einer PR-Abteilung würdig wären, mit kritischem Journalismus aber nichts zu tun haben.

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Little and Big Brother

„Je mehr sich die Kommunikation ins Digitale verlagert, desto mehr Befugnisse benötigen Polizei und Geheimdienste, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können. Und je stärker Daten zur Währung der Zukunft werden, desto dringlicher das Bedürfnis nach der Regulierung privater Akteure. … Doch die Einseitigkeit, mit der die Diskussion geführt wird, erfordert eine kritischere Haltung gegenüber staatlichen Totschlagargumenten wie Kinderpornographie oder Terrorismusgefahr und ein besseres Verständnis dessen, wann und wozu vermeintliche „Datenkraken“ die Informationen ihrer Nutzer tatsächlich auswerten. Denn Wissen ist nicht nur Macht, sondern bestimmt auch darüber, wer die Macht über das Wissen erhält.“

BigBrotherMit diesen durchaus vernünftigen, wenn auch nicht gerade originellen, Feststellungen endet ein Artikel von C. van Lijnden in der ZEIT vom 7.4.16. Die Einseitigkeit der ‚Diskussion‘, die der Autor bemängelt (er meint vermutlich die ‚vorgebrachten Argumente‘, aber das ist noch der kleinste Patzer) bereichert er selbst aber keineswegs mit einer differenzierten Analyse, sondern mit Scheinargumenten, Denklücken und logischen Fehlern zuhauf.

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Hellseher und Gierprediger

„Das Bundesamt für Bevölkerungsforschung, das Statistische Bundesamt und die Vereinten Nationen (UN) … gehen davon aus, dass die Bevölkerung in Deutschland schrumpfen wird. Ich glaube nicht an diese Zahlen. Ich erwarte, dass 2050 in Deutschland 93 Millionen Menschen leben werden. Vielleicht sogar noch mehr.“ (Hermann Simon, 93 Millionen werden wir sein, DIE ZEIT 25.2.2016, S. 29). Weiterlesen

Perfide Gedanken auf Abwegen

„Man kann Merkel vorwerfen, ihre Flüchtlingspolitik sei anfangs kurzsichtig gewesen. Das fällt heute sehr viel leichter als vor einem halben Jahr. Merkel hat die Folgen ihrer Offenheit nicht überblickt, vor allem aber nicht die Befindlichkeiten und den Widerstand in anderen europäischen Ländern. Daraus den Vorwurf abzuleiten, Merkel habe Europa gespalten, ist abwegig. … Besonders perfide ist der Vorwurf, Merkels Flüchtlingspolitik befördere den Nationalismus und Extremismus in anderen Ländern.“ (Matthias Krupa, DIE ZEIT 18.2.16 S. 1) Weiterlesen