Makroentwicklungen der Rechtsordnung

Dass das positive Recht sich kontinuierlich verändert, ist eine Binsenweisheit. Betrachtet man diese Veränderungen nicht für einzelne Rechtsbereiche oder Normkomplexe, sondern aus einer Makroperspektive für das Rechtssystem insgesamt, kann daraus ein tieferes Verständnis für langfristige (Wesens)Entwicklungen abgeleitet werden, die sich im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten inkrementell vollziehen und deshalb oft nicht bewusst wahrgenommen werden.

Die Wissenschaft, insbesondere Rechtswissenschaft und Rechtssoziologie, nehmen diese allenfalls als Einzelaspekte wahr, ohne hieraus ein Gesamtbild zu entwickeln. Letzteres wäre aber notwendig, um tiefgreifende Veränderungen verstehen und hierauf ggf. steuernd Einfluss nehmen zu können. Denn unabhängig von den derzeit konkret beobachtbaren Phänomenen gilt grundsätzlich, dass das Wesen des Rechts, seiner Erscheinungsweisen und gesellschaftliche Funktion, sich in einer permanenten Evolution befindet. So sehr sie sich in den letzten einhundert Jahren verändert hat (und mehr noch in längeren Zeiträumen), so sehr wird sie sich in Zukunft weiterentwickeln, wenn nicht noch stärker angesichts von auf hohen Touren laufenden gesellschaftlichen Entwicklungen.

Mangels breiter wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit diesen Fragen beruhen die folgenden Feststellungen auf vielfältigen Lektüren, persönlichen Erfahrungen und individuellen Beobachtungen, die ihrerseits überprüfbar sind. Ob und in welchem Maße sie dauerhaft sind, wird sich in einer Langfristperspektive zeigen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sie im Auge zu behalten: Weiterlesen

Denkblasen

Denken ist gut, aber Denker sollten sich mehr mit der Realität befassen als mit Büchern.

Sie laufen sonst Gefahr, sich in Denkblasen zu bewegen, am liebsten in solchen, die den eigenen Denkansätzen entsprechen. Filterblasen des Internets sind nichts Neues, man kennt sie in ähnlicher Form als Zitierkartelle in den Wissenschaften oder als Zeitgeist in der gesellschaftlichen Kommunikation. Neu ist nur, dass sie die abgeschlossenen Gedankenwelten der Denker auf das mentale Gruppenbewusstsein der Durchschnittsbürger erweitern, deren Denkquellen sich i. W. aus massentauglich aufbereitetem Infotainment und Netzmessages speisen. Und das bekommt der Gesellschaft insgesamt nicht gut.

Weiterlesen

Der optimale Grad des Reichtums

Ist es nicht verrückt, wie viel Zeit wir darauf verwenden, Vermögen zu erwerben, und später dann die erworbenen Werte renditestark anzulegen, in der Substanz gegen Ansprüche Dritter und die Willfährigkeiten des Marktes zu schützen, und sie im letzten Schritt möglichst unangetastet an die nächste Generation weiterzugeben? Wieviel Lebenszeit, Stress, Ängste, Frust und vielleicht Verzweiflung ist damit verbunden!

Diese Lasten bedeuten nicht zwangsläufig, man solle gleich ganz auf das Streben nach Reichtum verzichten. Denn wer in Armut lebt, hat zwar nicht diese ‚Sorgen‘, dafür aber eine Menge anderer, die i. d. R. auch wesentlich existenzieller sind als die der Begüterten.

Eher wäre es interessant zu wissen, ob es einen optimalen Grad des (individuellen) Reichtums gibt, ein Niveau, auf dem Existenzängste keine Rolle mehr spielen, weil man reich genug ist, aber eben doch nicht so reich, dass man seine Lebenszeit mit Renditejagd und Vermögenssicherung verbringen müsste.

Weiterlesen