KrisenZEIT

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, die offenbar vor allem als Bedrohung und nicht als Chance wahrgenommen wird. Die Zukunftsfurcht könnte daran liegen, dass es uns schon sehr lange sehr gut geht und wir viel zu verlieren haben, aber sie ist m. E. vor allem darauf zurückzuführen, dass wir verlernt haben, gedanklich und emotional mit „Bedrohungen“ umzugehen. Und diese fehlende Kompetenz ist letztlich weitaus besorgniserregender als das, was tatsächlich passiert.

Eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung der Geschehnisse, ihrer Bewertung und unserer Reaktion hierauf (inkl. der Wahrnehmung dieser Reaktion und ihres Impakts) spielen die (Massen)Medien. Denn sie entscheiden, welche Informationen über das Weltgeschehen, welche Einschätzungen und Ideen für Handlungsoptionen und welche hieraus abgeleiteten Stimmungen die Menschen prägen. Sie – oder genauer: die Menschen, welche die Medien mit Inhalten füllen – sind keine neutralen externen Beobachter, sondern Teilnehmer und Multiplikatoren vorherrschender Haltungen und damit auch Verstärker dessen, was jetzt gerade (und zukünftig) geschieht.

Sentió, ergo sum

Das „Cogito, ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) von R. Descartes (1641) rückt das rationale Denken ins Zentrum des Menschseins. Er hat es nicht entdeckt, denn Philosophen haben schon lange vor ihm über das Denken und seine Bedeutung nachgedacht. Aber Descartes hat dem einen prägnanten Ausdruck gegeben, der bis heute alle Wissenschaften und die Bildung ganz allgemein prägt. Diese Rationalitätsorientierung hat Ordnung und Fortschritt gebracht, nicht nur in Naturwissenschaft und Technik, sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften und nicht zuletzt ins Recht, und diese alle wiederum haben unser Alltagsdenken geprägt.

Bewusst und rational zu leben und entscheiden machen das Menschsein aus, dieses Leitmotiv hat Religion und Aberglaube verdrängt, dem Individualismus und Optimierungsdrang den Weg bereitet und uns das Gefühl gegeben, dass die Nutzung unserer Freiheit entlang dieser Richtschnur zu einem gelingenden Dasein als Einzelne und als Gesellschaft führt.

Inzwischen jedoch mehren sich Zweifel an der Zukunftstauglichkeit dieses Denkmodells bzw. dieser Überzeugung.