Sentió, ergo sum

Das „Cogito, ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) von R. Descartes (1641) rückt das rationale Denken ins Zentrum des Menschseins. Er hat es nicht entdeckt, denn Philosophen haben schon lange vor ihm über das Denken und seine Bedeutung nachgedacht. Aber Descartes hat dem einen prägnanten Ausdruck gegeben, der bis heute alle Wissenschaften und die Bildung ganz allgemein prägt. Diese Rationalitätsorientierung hat Ordnung und Fortschritt gebracht, nicht nur in Naturwissenschaft und Technik, sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften und nicht zuletzt ins Recht, und diese alle wiederum haben unser Alltagsdenken geprägt.

Bewusst und rational zu leben und entscheiden machen das Menschsein aus, dieses Leitmotiv hat Religion und Aberglaube verdrängt, dem Individualismus und Optimierungsdrang den Weg bereitet und uns das Gefühl gegeben, dass die Nutzung unserer Freiheit entlang dieser Richtschnur zu einem gelingenden Dasein als Einzelne und als Gesellschaft führt.

Inzwischen jedoch mehren sich Zweifel an der Zukunftstauglichkeit dieses Denkmodells bzw. dieser Überzeugung.

Verstand und Vernunft

„Unsere heutige Bildung ist hauptsächlich an materiellen Werten und an Verstandesbildung orientiert. Aber die Realität zeigt, dass wir mit dem Verstand allein nicht zur Vernunft kommen. Es geht auch um Ziele wie Liebe, Mitgefühl, ein Gefühl für Gerechtigkeit, Achtsamkeit und Vergebung. Und dies als Bildungsziele von den Kindergärten bis zu den Universitäten. Bildung muss ein globales Denken über die Zukunft der Welt vermitteln.“

Dalai Lama, in : Publik-Forum Nr. 3/2018, S. 20.