Die Covid 19-Pandemie ist eine gute Gelegenheit, über die Bedeutung von Präsenz und Distanz im Zusammenleben nachzudenken.
Neu ist das Thema nicht. In Zeiten einer großen Mobilität bei gleichzeitig drastisch gestiegenen Kommunikationsmöglichkeiten waren die beiden Pole in letzter Zeit verschwommen: Man konnte sich körperlich fern sein, aber virtuell-kommunikativ nah. Das erschien inzwischen irgendwie selbstverständlich und hat dazu geführt, die Bedeutung der tatsächlichen Präsenz – gleichzeitige körperliche Gegenwart am selben Ort – gering zu schätzen. Selbst Beziehungen auf Distanz waren Teil der modernen Normalität.
Was uns die Pandemie aber gelehrt hat, sind insbesondere folgende Erkenntnisse:
- Freiwillige Distanz ist etwas anderes als verhinderte Präsenz.
- Erzwungene Dauerdistanz ohne Kompensation im Präsenzbereich führt zu erheblichen Belastungen.
- Präsenz ist zwar nicht dasselbe wie Nähe, aber sie erleichtert Nähe.
- Dort wo Nähe keine nennenswerte Rolle spielt, sind Distanzkontakte ausreichend. Aber je wichtiger Nähe ist, desto wichtiger ist auch Präsenz.
- Distanzkommunikation reduziert die Wirkung der non-verbalen Elemente, deren Bedeutung durch die fehlende Präsenz besonders deutlich wird.
- Die meisten Menschen, von Einsiedlern und sonstigen Soziophoben abgesehen, sind nicht nur soziale Wesen, sondern sie sind soziale Präsenzwesen.