Derzeit läuft eine große Anzeigenkampagne, in der deutsche Unternehmen unter dem Slogan #zusammenland ihre Ablehnung rechter Fremdenfeindlichkeit zum Ausdruck bringen. Aber was will man damit erreichen, außer den ausgewählten Zeitungen über die verkaufte Werbefläche Zusatzeinnahmen zu bescheren?
Die Unternehmen haben erst einmal allen Grund, sich entsprechend der politischen Mehrheitsverhältnisse „politisch korrekt“ zu verhalten und bei der Aktion mitzumachen. Die Nazizeit hat allerdings deutlich genug gezeigt, dass die unternehmerische Gesinnung bei ernsten Machtwechseln auch gerne mal die Richtung ändert.
Vor allem aber: Wen will man damit erreichen und beeindrucken? Die Leser dieser Zeitungen sind weit überwiegend ohnehin derselben Meinung. Und auf welcher Erkenntnisgrundlage glaubt man, durch Zeitungsanzeigen sonstigen Andersdenkende zum Umdenken zu bringen? Wer lässt sich von einer solchen Art Demonstration von seiner Meinung abbringen?
Fast könnte man denken, es werden auf diese Weise Durchhalteparolen ausgegeben, weil man Sorge hat, der Widerstand oder Kampfesmut der „Zusammenhaltenden“ könnten brechen (wenn diese militärische Analogie erlaubt ist).
Ein ähnliches Phänomen beobachtet man im Übrigen bei den großen Telemedien: Dort berichtet man über Rechts (und die AfD), so als handelte es sich um einen fremden Eindringling. Mit neutraler und inhaltlich kritischer Berichterstattung hat das nur noch gelegentlich zu tun, das Ganze erinnert eher an Berichte über Russland bzw. Putin.
Ist das nur ideologische Beschränktheit oder schon Angst, wenn man quasi zur Solidarität aller politisch „Rechtgläubigen“ aufruft? Der Aufrechterhaltung der Demokratie dient es jedenfalls nicht, Feinde im eigenen Land zu suchen und diese so lange vor den Kopf zu stoßen, bis sie diese Medien nicht mehr ernst nehmen und sich gar nicht mehr ansprechen lassen, sondern nur noch unter Ihresgleichen bleiben (wie dies ja offenbar jetzt schon weitgehend der Fall ist).
Das Ganze ähnelt der Situation in den Kirchen: Überzeugungsarbeit leistet man am liebsten bei Überzeugten, mit den „verlorenen Schafen“ setzt man sich lieber nicht auseinander, vermutlich weil das die eigenen Überzeugungen in Frage stellen könnte. Was aus solchem Vermeidungsverhalten langfristig wird, kann man an der gesellschaftlichen Entwicklung feststellen, welche Kirche und Religion zu kulturellen Randerscheinungen werden lässt. Wenn man daraus keine Lehren zieht, wird es mit der Demokratie ähnlich enden.
Es führt daher kein Weg drumherum, sich mit den Kerninhalten rechten Denkens zu beschäftigen, dieses mit den davon Überzeugten zu diskutieren und auf diese Weise Einfluss zu nehmen, statt sich rechthaberisch zu verweigern, das unangenehme Gedankengut verbieten zu wollen und zu hoffen, dass das „Problem“ sich irgendwie von alleine erledigt. (s. auch Meine Demokratie)