Ökonomische Bildung und Befähigung

Im Augenblick gibt es offenbar (mal wieder) ernste Bemühungen, „Wirtschaftsbildung“ zu promoten. Das ist zwar nicht so hip wie Digitalisierung, aber da alles irgendwie Ökonomie ist und es schließlich um unser aller materielles Wohlergehen geht, darf man hier von einer einigermaßen sicheren Aufmerksamkeits- und Zustimmungsrate ausgehen.

Schon seit Jahren ist daher die durchweg als defizitär qualifizierte wirtschaftliche Bildung regelmäßig in allen wichtigen Medien präsent (z. B. FAZ, Handelsblatt, Spiegel, Welt).
Jetzt hat die ZEIT das Thema intensiv aufgegriffen und als Grundlage für ihre Position eine Studie des briq Institute on Behavior & Inequality von Prof. Armin Falk (Uni Bonn) herangezogen.

Wer bei so viel Kompetenz und darüber hinaus selbstbewusster Verkündung jetzt besondere Einsichten erwartet, wird allerdings enttäuscht. Die einfache Botschaft lautet: Die Menschen sollen durch ökonomisches Wissen gebildet und befähigt werden, und zwar in der Schule, wenn nicht sogar in der Vorschule.

Je öfter man jedoch die journalistische Verarbeitung der (im Übrigen nicht veröffentlichten) Studie liest, desto offenkundiger werden ihre Defizite: Keine Präzisierung dessen, was Wirtschaftswissen auf Schulniveau bedeuten könnte, keine Analyse von Wirtschaftsbildung und -befähigung, und schon gar keine empirische Überprüfung der einleuchtenden, aber falschen Thesen.

Den Journalisten mangelt es selbst nicht nur an Wirtschaftsbildung, sondern vor allem auch an Bildungsbefähigung. Ihr Denken ist unterkomplex, einseitig ökonomisch, bildungspolitisch leer, ideologisch unehrlich oder unreflektiert. Selbst wenn man annimmt, dass die Überlegungen gut gemeint sind, sie sind nicht einmal im Ansatz zu Ende gedacht.

Das Ergebnis ist folglich ein unbrauchbares common-sense-Geschreibsel, das letztlich kontraproduktiv wirkt, weil es irreführt und echte Fortschritte verhindert. Das darf man als profnarr getrost nicht nur als Gedankenmüll des Monats bezeichnen, sondern auch mit dem Ehrenlabel „verdummungsstrategisch wertvoll“ versehen.

Wer die ausführliche Begründung dieser Kritik lesen möchte findet sie ausnahmsweise als Download hier. Bzgl. der Beeinflussung und Manipulation ökonomischer Bildung auf Hochschulniveau siehe die aktuellen Arbeiten von Silja Graupe.