Ein Stück Merkelverlässlichkeit

„Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.“ „Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“ 

Hugh! Merkel hat gesprochen!

Und wieder einmal wird das, was eigentlich eine geistig-politische Entblößung ist, als Epochenwende in die Welt posaunt.

Wenn Merkel jetzt entdeckt, dass sie sich nicht völlig auf die Amerikaner verlassen kann, was hat sie während der letzten Jahre im Amt gemacht? Wer hat nochmal ihr Handy ausspioniert? Wer hat sich seit jeher einen feuchten Kehricht um deutsche Interessen gekümmert?

Und wenn Europa jetzt endlich mal sein Schicksal in die eigene Hand nehmen soll, fragt man sich: Welche Ziele hat Merkel denn bisher als Europa-Übermutti verfolgt?

Wollen wir mal gnädig sein und ihr und den sonstigen deutschen Regierenden nicht mehr Beschränktheit als erforderlich unterstellen, dann gibt es nur einen Grund für solche schwachgeistigen Äußerungen: Wahlkampf in Deutschland!

Wer bisher (verständlicherweise) die Nase voll hatte von noch mehr Merkel, dem wird jetzt suggeriert, dass Merkel wegen ihrer Verlässlichkeit wiederzuwählen sei. Es geht gar nicht um Trump oder die EU, sondern darum, die Vokabel „Verlässlichkeit“ mit Merkel in Verbindung zu bringen. Die Gunst der Stunde hat Merkel routiniert genutzt.

Dem dummen Wahlvolk fällt ohnehin nicht auf, dass Merkel verlässlich falsche bzw. gar keine Politik macht. Wir glauben nur zu gerne, es gehe uns gut, also warum daran etwas ändern? Die Botschaft ist angekommen.

Wenn sich jetzt in den nächsten Wochen noch die Gelegenheit bietet, auch noch in Sachen „Sicherheit“ Profil zu zeigen, ist die Wiederwahl gesichert. Sachthemen überfordern die Wähler, damit wird Merkel sie nicht belästigen. Darauf kann man sich in jedem Fall verlassen.