Zum Metier der Journalisten zählt eindeutig das Bangemachen. Wenn ihnen nichts Sinnvolles einfällt, oder sie einem Sachthema mehr ‚Brisanz‘ verleihen wollen, erfinden sie einfach Szenarien möglicher zukünftiger Entwicklungen mit dramatischen Folgen. Der typische Angst-Deutsche liest so etwas gerne, bestärkt es ihn doch in seiner psychischen Verfasstheit, und folglich sind dann auch Verleger und/oder Herausgeber zufrieden.
Da wir in einer Welt leben, in der fast alles in ständiger Veränderung begriffen ist, und es keiner großen Einbildungskraft bedarf, einzelne aktuelle Tendenzen ins Negative bis Dramatische zu extrapolieren, finden sich leicht Themen, die man solcherart ‚aufarbeiten‘ kann, ohne dass es uns irgendwie weiterbringt.
Natürlich sind Gedankenspiele und Szenariobeschreibungen wichtige intellektuelle Instrumente der Zukunftsanalyse und -gestaltung. Was dabei von den Medienschaffenden geleistet wird, ist allerdings weit überwiegend von minderer Qualität.
Ein aktuell (und vermutlich auch noch eine lange Weile) häufig anzutreffendes Thema ist die Frage, ob Maschinen (bzw. Roboter) bald klüger als Menschen sind und damit diese (bzw. ihre Arbeit) überflüssig machen werden.
Das ist grundsätzlich eine sehr wichtige Frage, aber die Antwort hierauf ist erstaunlich einfach: Selbstverständlich werden sie das, alles andere wäre völlig realitätsfern. Nur wird es eben nicht den Vorstellungen entsprechen, wie sie sowohl konservierungsfreudige Weltuntergangsprediger als auch technikgeneigte Zukunftsdeuter verbreiten.
Einen entscheidenden Entwicklungsschritt wird die Technik bzw. Menschheit mit dem Durchbruch der Künstlichen Intelligenz (KI) machen, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Aber bei allem Respekt: Auch die tollsten Algorithmen berechnen immer nur das, was in sie hineinprogrammiert wird. Selbst wenn ein Programm von einem anderen geschrieben und instruiert wird, sitzt am Anfang der Kette immer ein Menschwesen. Auch die Entscheidung darüber, ggf. den Stecker zu ziehen und weitere ‚Aktivitäten‘ zu unterbinden, trifft ein Mensch. M. a. W.: Nicht die Maschine entscheidet insbesondere darüber, Menschen zu ersetzen, sondern andere Menschen. Wir müssen uns also in erster Linie nicht vor der Technik fürchten, sondern vor den Menschen, die Macht über diese Technik haben. Hierfür müssen wir politisch die Weichen stellen.
Dabei wird es jedoch kaum möglich sein, die Weiterentwicklung der Technik als solche aufzuhalten. Das hat es noch nie gegeben, und wird es nie geben. Was machbar war (auch im Negativen), wurde gemacht. Das gilt erst recht, wenn die Technik echte Vorteile bietet, mit denen nunmal oft auch unangenehme Nebenaspekte verbunden sind.
Müssen wir uns davor fürchten? Die Geschichte zeigt, dass alle technischen Innovationen Ängste auslösen, und dass es immer Menschen gegeben hat, die ihre Arbeit und manchmal Existenz dadurch verloren haben. Aber langfristig hat die Technik nicht nur Jobs vernichtet, sondern auch viele geschaffen (wenn auch in anderen Sektoren und mit anderen Qualifikationen). Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das nicht auch in Zukunft so sein wird.
Außerdem sollte man beachten, dass die Technik das Leben der Menschen kontinuierlich lebenswerter gemacht hat: Von den vielen z. B. in früheren Zeiten in der Landwirtschaft vorhandenen Arbeitsplätzen sind kaum welche übrig geblieben. Diese aber sind dafür wesentlich humaner. Und wenn nun in Zukunft durch KI Tätigkeiten oder Berufe wegfallen, die bislang eher eine repetitive Hirnaktivität erfordern, ist das für die Menschheit wirklich ein Verlust?
Entscheidend ist, was mit der gesteigerten Effizienz und den freiwerden Ressourcen geschieht, wie wir laufend unsere Qualifizierung anpassen und Produktivitätsgewinne verteilen. Auch das sind politische Fragestellungen.
Und Politik ist Menschensache. Natürlich kann man auch hier automatisierte Szenarioanalysen durchführen. Aber wer sich mit der Automatisierung von Entscheidungen beschäftigt (hat), wird wissen, dass Roboter keine Ent- scheidungsfreiräume und Abwägungen mögen. Gerade diese Gestaltungsfreiheitsräume gibt es aber in der Politik und muss es dort geben. Erst wenn wir uns diese selbst nehmen, werden wir selbst zu determinierten Maschinen (Ansätze dazu gibt es im modernen, rein ökonomisch und zahlengläubig orientierten Denken immerhin schon). Wenn wir das akzeptieren, dann wäre es in Wirklichkeit auch kein Verlust mehr, uns zu ersetzen.
Die größte Herausforderung der KI besteht also darin, herauszuarbeiten, was wir Menschen als das Wesen des Menschseins betrachten und auch nicht aufgeben wollen. Alles andere können wir gerne den Maschinen überlassen und uns selbst umso mehr des Menschseins freuen, für das echter IQ – nämlich die Intelligenz des Menschseins – immer wichtiger wird.