Starkregen und Überflutungen haben einmal mehr Signale gesendet, dass die Rettung des Klimas auch – und vielleicht in erster Linie – Rettung von Menschenleben ist, darüber hinaus aber auch unseres Gemeinwesens. Aber die Zeichen zu sehen ist eine Sache, ihnen Taten folgen zu lassen offenbar eine ganz andere.
Nicht nur in Deutschland (Hitzerekorde, Überschwemmungen, Insekten- und Waldsterben, Verbreitung von pflanzlichen und tierischen Schädlingen und Krankheiten), sondern weltweit sind Veränderungen im Gange, die zwar primär „nur“ die Natur aus dem Gleichgewicht bringen, aber es ist mehr als erkennbar, dass dies die Menschheit als Teil der Natur einschließen wird und diese zwar vermutlich nicht auslöschen, aber gesellschaftliche Turbulenzen hervorrufen wird, die man sich nicht vorstellen mag.
Das alles ist von Wissenschaftlern längst dokumentiert und veröffentlicht. Aber wenn es um Information und Sensibilisierung der Massen geht, wird alles verallgemeinert und verharmlost, sowohl von den Medien als auch von den Politikern. Da las man kürzlich, dass selbst im Bereich Katastrophenschutz klar war, dass mehr getan werden müsste, dass man es aber nicht getan habe, weil die politische Meinung überwog, das könne man den Menschen nicht zumuten.
Da bleibt man dann doch sprachlos zurück, was die Verantwortungsbereitschaft der Mandatsträger unseres Gemeinwesens betrifft. Gemeint haben sie wohl eher, dass sie sich selbst nicht der Gefahr aussetzen wollten, sich unbeliebt zu machen und nicht wiedergewählt zu werden. Wohl zumutbar erscheint es ihnen offenbar, die Menschen unvorbereitet ins Verderben laufen zu lassen …
Der Nachgeschmack aus dem, was die Bundes- und Landesoberen alles nicht getan haben und die lokalen W/Bürdenträger überfordert, sowie der Vorgeschmack der bisherigen Probleme auf das, was auf uns zurollt, kann nur eines bedeuten: Wenn wir mehr als nur Statisten im zu erwartenden Klimadrama sein wollen, dann muss die Zivilgesellschaft sich organisieren und wehren. Und zwar nicht mehr nur mit Appellen an das Gutmenschentum in uns, das wir mit ein paar Spenden verwirklichen, sondern mit konkreten Maßnahmen und persönlichem Engagement.
Dass die Uhr tickt, ist kein Hirngespinst von ein paar Verwirrten, und die gedankliche und gefühlsmäßige „Übelkeit“, die Vor- und Nachgeschmack verursachen, darf nicht zu lähmender Angst und Verdrängung führen. Die Sintflut ist vor uns, und wer sich nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ verhält, sollte sich nicht wundern, dass er in ihr ertrinkt.
Da Klima und Natur aber nicht zwischen Willigen und Unwilligen unterscheiden (können), bedeutet das auch: Es wird zunehmend interne und internationale Konflikte zwischen diesen Gruppen geben (müssen), denn es kaum vorstellbar, dass die Handlungswilligen sich von den nicht Einsichts- und Verzichtsbereiten in den Untergang treiben lassen werden. Und erst recht wird dies der Fall sein, wenn Massenmigration von Flüchtlingen aus nicht mehr bewohnbaren Erdteilen einsetzt.
Wer jetzt auf Zeit spielt, rettet sich vielleicht in ein paar verbleibende Luxusjahre und muss den Ärger nicht mehr ausbaden. Diese Zeit wird den kommenden Generationen (inkl. den bereits Geborenen unter 30) aber teuer zu stehen kommen.
Die nächste Bundestagswahl ist die letzte Gelegenheit, einen radikalen Änderungsprozess aufgrund unserer Einsichtsfähigkeit in Gang zu setzen. Noch eine Wahlperiode zu verschenken können sich Deutschland und die Welt nicht leisten. Wer sich den herben Vorgeschmack nicht zu Herzen nimmt, den wird der bittere Nachgeschmack der Versäumnisse irgendwann radikal einholen.