Es soll Unternehmen geben, die ‚Corporate Social Responsability‘ ernst nehmen. Wenn das gleichzeitig ihr Image als ‚Gutunternehmen‘ geschäftsmäßig fördert, sei ihnen das gegönnt.
Meistens entlarvt sich das Getue jedoch als leicht erkennbare PR-Maßnahme, wobei sich mir immer die Frage stellt, wer eigentlich darauf ‚hereinfällt‘.
Zur Zeit tourt z. B. der Computerhersteller Dell (zusammen mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft) mit einer Veranstaltungsreihe durch die Republik, die er als ‚Mission Mitarbeiter‘ bezeichnet, und dessen Highlight offenbar der Wirtschaftsjournalist Edgar K. Geffroy ist. Dieser ‚Business-Neudenker‘ (so wird der Nobody von Dell geadelt) hat, nachdem er in den letzten Jahren die Kunden zur Herzenssache gemacht hat, nun die Mitarbeiter in sein Herz geschlossen (s. seine entsprechend betitelten Bücher), wobei er von folgender neufundamentaler Erkenntnis geleitet wird: „Waren Mitarbeiter bisher meist Produktionsfaktoren, sind sie in Zukunft vor allem Individuen. Individuen mit Ansprüchen, Vorstellungen und Wünschen… Und haben sich Fachkräfte bisher bei Unternehmen beworben, ist es in Zukunft umgekehrt – die Fachkräfte suchen Unternehmen aus.“
Wie gut, das uns das mal jemand sagt! Wir hätten ja sonst diesen ‚Paradigmenwechsel‘ gar nicht bemerkt!
Oder könnte es sein, dass dieser Neudenker so neu im Geschäft ist, dass er gerade erst anfängt, etwas zu denken, was andere längst wissen? Man wundert sich jedenfalls, mit welchen Banalitäten man Geld verdienen kann. Man wundert sich aber vor allem, wieso Dell so jemanden engagiert.
Inspiziert man die Webseite ‚Mission Mitarbeiter‘ etwas näher, löst sich das Rätsel schnell auf: Der ach so kompetente und natürlich neutrale Vordenker hat nämlich auch erkannt, dass der zukünftige Mitarbeiter digital vernetzt sein möchte (echt coole Erkenntnis!), und dass natürlich sein Arbeitsplatz überall sein kann, weil die Grenzen privat/beruflich verschwimmen (Wem sonst hätte das auch auffallen sollen?).
Und wie’s der Zufall will: Dell hat doch glücklicherweise genau die Tools ‒ und falls man es noch nicht versteht, auch entsprechendes Beratungsangebote ‒ , die Unternehmen brauchen, um solche Mitarbeiter zu begeistern.
Wer jetzt noch nicht begreift, dass hier einzig und allein die Zufriedenheit der Mitarbeiter eine Herzensanagelegenheit von Dell und Geffroy sind, die deshalb den Mittelstand missionieren wollen, der ja gerade in Deutschland bekanntermaßen echt rückständig ist und auf seine Mitarbeiter bestimmt keinen Wert gelegt hat, der hat es auch nicht besser verdient als ein Opfer dieser dummdreisten Werbekampagne zu werden.