„Zu wissen und nicht zu wissen, sich des vollständigen Vertrauens bewusst zu sein, während man sorgfältig konstruierte Lügen erzählte, gleichzeitig zwei einander ausschließende Meinungen aufrechtzuerhalten, zu wissen, dass sie einander widersprachen und an beide zu glauben; die Logik gegen die Logik ins Feld zu führen; die Moral zu verwerfen, während man sie für sich in Anspruch nahm; zu glauben, Demokratie sei unmöglich, die Partei jedoch die Hüterin der Demokratie; zu vergessen, was zu vergessen von einem gefordert wurde, um es sich dann, wenn man es brauchte, wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, und es hierauf prompt wieder zu vergessen; und vor allem, dem Verfahren gegenüber um das gleiche Verfahren anzuwenden. Das war die äußerste Spitzfindigkeit: bewusst die Unbewusstheit vorzuschieben, und dann noch einmal sich des eben vollzogenen Hypnoseaktes nicht bewusst zu werden.“
George Orwell, 1984 (hier zitiert an der Ullstein TB-Ausgabe 1978, S. 34-35)
Das Zwiedenken ist zwar (noch) nicht eine einseitig auferlegte Denkweise des Großen Bruders, findet sich aber in erschreckender Weise im öffentlichen Diskurs wieder. Ob das heute gravierender ist als vor einigen Jahrzehnten, wäre aber noch zu beweisen.