Laubbläser im August

Neulich hörte ich im saisonal üblichen Gerätelärmhintergrundrauschen der Nachbarschaft ein penetrantes Geräusch, das ich nicht erwartet hätte: Laubbläser waren nicht nur bei Nachbarn, sondern auch in der Straße im Einsatz, wo die Gründienste der Stadt fleißig Bürgersteige freipusteten. Wohlgemerkt: Mitte August, nicht Ende November.

Während man üblicherweise sommertags nur durch Hochdruckreiniger, Heckenscherer und Rasenmäher belästigt wird – falls nicht gerade Bohrmaschinen, Schleifechsen, Presslufthämmer und sonstige Baugeräte von Renovierungsaktivitäten der Nachbarn zeugen – stellt der Laubbläsersound (gerne mit Benzinantrieb genutzt) in dieser Kakophonie nicht nur eine nervige Ergänzung dar, sondern regt auch zum Nachdenken an:

  • Sind Klimawandel und dadurch bedingte Bodentrockenheit bereits so weit fortgeschritten, dass Laub schon mitten im Sommer zum Problem wird?
    Die Trockenheit nimmt zwar in der Tat zu, aber die Menge gefallener trockener Blätter ist so überschaubar, dass sie eigentlich keiner Räumung bedürfen.
  • Ist unsere Sauberkeitsmanie so weit gediehen, dass unser Sommeridyllverständnis kein Laub verträgt?
    Das ist schwer zu beantworten, da müsste man die Laubbläseraktivisten wohl direkt befragen.
  • Oder wollen wir dem Klimawandel trotzen, indem wir zumindest die Problemsymptome schnell beseitigen?
    Auch das muss eine Vermutung bleiben, die einer kollektivpsychologischen Überprüfung bedarf.
  • Schließlich wäre es auch möglich, dass wir in unserer Technisierungseuphorie inzwischen das Stadium erreicht haben, dass auch das händische Fegen im Außenbereich (im Haushalt schon durch den (allerdings leiseren) Staubsaugerroboter ersetzt) eine unzumutbare körperliche Belastung darstellt?
    Schon möglich, jedenfalls ist es wesentlich „chicer“, programmgemäßes (und möglichst technisch gestütztes) Bodyshaping zu betreiben, um einen körperlichen Ausgleich zur überwiegend kopflastigen Tätigkeit zu schaffen, zumal nun auch das Gehen durch überall verfügbare Elektroroller zunehmend zur ungewohnten Übung wird.

Aber vielleicht bin ich letztlich auch nur ein Nostalgiker, der sich nach ganz normalen ruhigen Sommertagen sehnt und mit einer natürlichen Lebensweise Teil der Natur sein möchte.