Lt. einer Kurzmeldung der ZEIT hat der türkische Präsident Erdogan seine (islamischen) Bürgerinnen aufgefordert, möglichst viele kleine Moslems in die Welt zu setzen.
Mit ist nicht bekannt, ob die Türkei unter Unterbevölkerung leidet. Aber empfohlene Reproduktion ist genauso wie verordnetes Nichtreproduktionsverhalten ein bekannter Bestandteil des politischen Arsenals unterentwickelter Staaten. Wo das Wohl des Einzelnen keine nennenswerte Rolle spielt, kann nur die Volksmasse als Ganzes, oder als Teil hiervon die Großfamilie, eine Rolle spielen. Und je mehr ungebildetes und unterernährtes Volk es gibt, desto leichter lassen die Massen sich manipulieren. Wenn man dann aus übergeordneten Interessen eine größere Zahl Individuen dem großen Ganzen opfern muss, gibt es ausreichend Reserve.
Auch außenpolitisch sind große Völker allein durch ihre Menschenmasse bedeutender als kleinere. Sei es als Kanonenfutter in Nachbarschaftskriegen, ethnische Besatzung und Durchmischung oder als Migrantendrohkulisse – viel Volk bedeutet viel Macht. Aber möglicherweise auch Überbevölkerung, und damit Armut, Umweltzerstörung usw., was Papst Franziskus wohl zu der Ermahnung veranlasst hat, die Menschen müssten sich ja nicht vermehren wie die Karnickel.
Erdogan hat da wohl weniger Besinnliches im Sinne. Und wenn die Türken sich nach dem anvisierten Wegfall der Visumspflicht frei in Europa bewegen und (wenn auch ggf. illegal) niederlassen können, muss natürlich vor Ort angesichts längerer Produktionszyklen rechtzeitig für Nachschub gesorgt werden. Ganz zu schweigen von den neuen Möglichkeiten der friedlichen Kriegsführung: Nachdem die Balkanroute den ersten Härtetest bestanden hat, könnte man doch einfach mal ein bis zwei Millionen Türken auf die Reise nach Deutschland schicken, zum Besuch bei ihren ex- und noch-türkischen Mitbrüdern und -schwestern, und natürlich bei Frau Merkel.
Dabei muss die Türkei sich sputen: Sollten nämlich die dann jetzt schon wesentlich zahlreicheren Inder oder Chinesen zuerst auf die Idee kommen, mal eben 100-300 Millionen Landsleute auf die Reise zu schicken, ersparen die sich einiges an Kriegsgerät im Eroberungsfeldzeug, und der Schwund fällt zuhause kaum auf. Und sind die erst mal in Europa, wird es eng für die Türken.
Auf viel Widerstand wird man auf der Reise ohnehin nicht stoßen: Man muss als Reiseziel nur Deutschland angeben, schon wird man überall durchgelassen, wenn man jeweils das örtliche Beförderungs- und Beherbergungswesen finanziell unterstützt. Und dass Deutschland bereit und in der Lage wäre, seine Grenzen zu verteidigen, glaubt bis auf weiteres ohnehin niemand mehr.
Insofern muss man die Weitsicht Erdogans anerkennen. Ob die türkischen Frauen dem aber mehr folgen als die deutschen den Reproduktionsaufrufen hiesiger Politiker, wird sich noch zeigen müssen. Vielleicht ist die Türkei ja doch entwickelter, als Erdogan denkt.