Auferstehen wovon und wozu?

Am Ostersonntag erinnert die christliche Geschichte von Jesu Auferstehung vom Tode daran, dass auch die Gesellschaft nach der Covid-19-Pandemie auferstehen muss. Nicht aus Ruinen, sondern aus einem nicht mehr funktionsfähigen Wirtschafts- (und Gesellschafts-)Modell, das an Effizienz-, Profit- und Reichtumsmaximierung orientiert war und bei diesem Streben alle immateriellen Werte als verzichtbar hat erscheinen lassen.

Nun lernen wir, wie durch einen Virus der gesamte Wohlstand innerhalb kürzester Zeit zu Schutt und Asche zu werden droht. Der äußere Schein bleibt unzerstört, aber die Substanz bricht weg. Dabei kann man es als symbolhaft werten, dass ausgerechnet ein Virus uns in die Knie zwingt: Denn auch die Krankheit der Gesellschaft sitzt im Inneren, und sie wird sich nicht so leicht therapieren lassen wie ein mittelgefährlicher Virus.

Wenn man den Körpervergleich weiterführt, dann haben wir sinnbildlich nämlich keinen Beinbruch erlitten, sondern wir leiden an einer Systemerkrankung: Das Hineinwachsen in einen globalen Organismus, der aber nicht bereit ist, sich als solchen zu verstehen und verhalten, und folglich auch nur die eigenen Primärinteressen im Blick hat und nicht die Rahmenbedingungen, die ein dauerhaft gesundes Funktionieren erlauben würden.

Und genau wie die Medizin sich schwertut, solche Erkrankungen zu behandeln, so unfähig ist in der Tat die Gesellschaft (bzw. die von ihr bevollmächtigte Politik), mit einer so komplexen Lage umzugehen, die den ganzen Körper (den Globus) und alle Körperfunktionen (die Sozialsysteme), insbesondere den Kreislauf und das Immunsystem (Wirtschaft und Staat/Rechtsordnung) betrifft. Wir können natürlich versuchen, durch viel Geld (Aufputschmittel) den Laden in Betrieb zu halten, aber das ist therapeutisch keine Gesundung, sondern ein Verschleppen der gesundheitlichen Probleme. Irgendwann gehen uns die Medikamente (das Geld) aus, und dann wird das nächste Virus uns vollkommen flachlegen.

Vor allem sind Systemerkrankungen sehr oft psychosomatisch und deshalb nur erfolgreich behandelbar, wenn auch die psychisch-mentale Ebene therapiert wird. Auch das trifft auf die gesellschaftliche Ebene zu.

Die derzeitige Pandemie erscheint nämlich zwar rein körperlich, weil sie durch einen Virus ausgelöst wurde und nicht durch einen ideologisch-religiös fundierten Bürgerkrieg oder sonstige Kulturstreitigkeiten z. B.. Aber die Art und Weise, wie wir darauf reagiert haben, zeugt von Ängsten und Überforderung und trotz ausreichender früherer Warnhinweise den Unwillen bzw. die Unfähigkeit, eine solche Pandemie überhaupt für möglich zu halten und uns darauf vorzubereiten. Vor allem scheint jegliche Einsicht in eine notwendige Solidarität und kollektive Prävention zu fehlen (ein Verhalten, das bereits bzgl. der Klimakrise, die de facto noch viel größere Ausmaße hat, weit verbreitet war/ist).

Selbst wenn wir es „schaffen“, an das frühere Leben anzuknüpfen und so tun, als sei Covid-19 nur ein extrem seltener Unglücksfall, wird dieses Verdrängen keine Heilung bringen.

Denn in unserem Innersten wissen wir: Nach der letzten Katastrophe ist vor der nächsten Katastrophe. Nur wenn wir aus dieser Pandemie im Sinne einer Rettungskatastrophe die nötigen Lehren ziehen, können wir darauf hoffen, zu gesunden.

Jesus starb gemäß der Bibel mit einer Dornenkrone auf dem Haupt. Das passt zufällig auch zum Corona-Virus Covid-19 (Corona (lat): Krone, Kranz, (span.) auch Heiligenschein). Seine Auferstehung am Ostertag war kein körperliches Weiterleben. Auch die Auferstehung vom Virus (das Leben nach Covid-19) könnte, nein es sollte, ein Leben in einer neuen Dimension sein.
(Erstfassung geschrieben am Ostersonntag 2020)