Schwerer nachzuvollziehen ist, dass die Erkenntnis, dass Geld vom Staat unweigerlich Betrüger anlockt, die es zudem schaffen, den Staat mit sehr einfachen Mitteln zu besch … , offenbar von diesem als unvermeidliches Schicksal betrachtet wird. Zwar wird Betrug „im Prinzip“ bekämpft, aber mit sehr bescheidenen Mitteln, so dass dies de facto nur für diejenigen Übeltäter negative Konsequenzen hat, die nicht raffiniert genug waren oder es vor lauter Gier soweit getrieben haben, dass selbst der Staat sich empören musste (s. z. B. die Betrügereien im Zusammenhang mit Corona-Hilfen oder Impfzentren). Ansonsten gilt: Beim alltäglichen Kleinbetrug lohnt der Kontroll- und Verfolgungsaufwand offenbar einfach nicht, man muss sich also nur einigermaßen klug anstellen. Und wenn man dann doch erwischt wird, gibt es allenfalls eine Strafe auf Bewährung.
Bei großen Summen würde sich das genauere Hinschauen des Staates schon eher lohnen, aber hier wissen die Betrüger, dass man nur das wirklich ganz große Rad drehen muss, um ebenso ungeschoren davon zu kommen, weil der Staat dann angesichts des erforderlichen Aufwands überfordert ist. In solchen Fällen statuiert man zwar gelegentlich ein Exempel, aber mehr passiert in aller Regel nicht. Die staatliche Zurückhaltung hat natürlich auch damit zu tun, dass die Großbetrüger (sehr) häufig angesehene Mitglieder der besseren Gesellschaft sind, und mit diesen wollen die politisch Verantwortlichen es sich natürlich nicht verscherzen (s. den Cum-Ex-Skandal oder das Verhalten der Behörden beim Ankauf schweizerischer Steuer-CDs) – wenn sie nicht ohnehin schon Mittäter sind.
Wenn dann der Staat auch noch in Kenntnis all dieser Betrügereien wissentlich wenig in Personal für Steuerfahndung, Finanzkontrolle oder Betrugsprävention investiert oder diese manchmal nicht einmal mit vernünftigen Arbeitsmitteln ausstattet, und wenn manche Bundesländer damit „werben“, dass bei ihnen die wenigsten Steuerfahnder aktiv sind und entsprechend ansäßige Unternehmen nur selten kontrolliert werden, dann kann man das nicht mehr nur als Unfähigkeit und Überforderung betrachten, sondern dann hat das Ganze System. Und wenn man dies um die Feststellung ergänzt, dass Deutschland das weltweit führende Paradies für Geldwäsche ist und dem Kampf gegen organisierte (insbesondere Finanz-)Kriminalität keinerlei Priorität beimisst (ganz im Gegenteil!), dann gewinnt man tiefe Einblicke in diesen demokratischen Musterstaat, den es unbedingt zu schützen und erhalten gilt …