Es wird zur Zeit viel Aufhebens gemacht von „Querdenkern“ und Konsorten. Warum eigentlich? Halbgare Ideen, schwache Argumente, fehlerhafte Logik, schwülstiges Gerede und Verweigerung der Realität hat es immer schon gegeben und als solches nie viel bewirkt.
Ein wesentlicher Unterschied zu früher ist allerdings, dass diese Leute jetzt organisiert auftreten. Das hebt zwar nicht die Qualität, wohl aber steigert es die Quantität. Und das reicht, um die Demokraten aufzuwecken, weil „ihre“ Demokratie plötzlich gefährdet erscheint, womit sie (wie z. B. der bayrische Ministerpräsident) in Wirklichkeit ihre Mehrheit meinen. Bei genauer Betrachtung bringen diese z. T. antidemokratischen Reaktionen auf die Proteste die Demokratie eher in Gefahr als das Sammelsurium uneiniger Protestler. Insoweit sollte man die „Feinde der Demokratie“ anderswo suchen als bei Letzteren.
Mich stört viel mehr, dass der Begriff „Querdenker“ von diesem Denkproleten gekapert wurde. Was früher als Lob gedacht war, weil der Schwerpunkt auf „-denker“ lag, ist heute zu einem „Kreuz- und Quergedenke“ von Wirrköpfen verkommen, die sich zudem noch bereitwillig von außen manipulieren lassen. Während echte Querdenker eigentlich frische, neue Sichtweisen in eine Diskussion einbringen und das Denken bereichern, stiften die heutigen Querdenker vor allem Verwirrung und Dummheit.
Wenn wir ihnen dennoch den Gefallen tun, sie ernster zu nehmen als es ihnen gebührt, dann liegt das wohl auch daran, dass die echten Querdenker selten geworden sind. Sie sind Außenseiter bzw. sie werden zu solchen gemacht (auch und gerade von den „Demokratiefreunden“) und möglichst ignoriert. Nur wer provoziert und auf Krawall macht, hat noch eine Chance, in die mediale Aufmerksamkeitszone zu gelangen. Und das macht es für die Möchtegernquerdenker leicht, sich selber diesen Nimbus zu geben und den Begriff zu kapern.
Mal schauen, wie lange die Mehrheitsdenke benötigt, um wieder „Ordnung“ herzustellen. Ungelegen kommt es ihr jedenfalls nicht, Querdenker undifferenziert schlechtzureden.