Die Feminisma triumphiert: Die Quote für Frauen in den Vorständen von Aktiengesellschaften kommt! Das wird als großer Sieg inszeniert und gefeiert.
In Wirklichkeit ist dies ein trauriger Tag für die echten Interessen der Frauen, und zwar aus den folgenden Gründen:
- Es werden maximal einige hundert Frauen hochbezahlte Topjobs erhalten, aber für Millionen schlechtbezahlter Frauen ändert sich nichts. Ohnehin schon privilegierte Frauen werden noch privilegierter, und die anderen dürfen nicht einmal hoffen, dass erstere sich nun für sie einsetzen werden – sie haben ja nun verantwortungsvolle Aufgaben, da muss sich schon jemand anderes kümmern. Wen wundert es da im Übrigen, dass vor allem jene Frauen laut jubeln, die sich Chancen auf Vorstandsposten ausrechnen?
- Das Feigenblatt der Vorstandsfrauen verdeckt die Scham in vielen anderen Bereichen, in denen sich nicht viel tut und wohl auch nicht tun wird: Nachdem das Leuchtturmprojekt der Antidiskriminierung zum Strahlen gebracht wurde, verschwindet der Rest im Dunkeln, und diejenigen, die eigentlich etwas tun könnten, aber nicht wollen, werden auf den Leuchtturm verweisen und darauf, dass doch offenbar alles nicht so schlimm ist.
- Mitglied eines Vorstands zu sein ist eine schöne Sache für die neuen Vorständinnen. Aber wem bringt das etwas außer ihnen selbst höhere Gehälter? Argumentiert wird: Frauen machen Dinge anders und besser. Dagegen spricht Folgendes:
– Auch Frauen werden die Regeln des Marktes, der Gier und der Ökonomie nicht außer Kraft setzen können. Ob sie es wollen oder nicht: Entweder sie passen sich dem an und sind erfolgreich wie Männer oder sie fliegen. Dann werden sie zwar durch andere Frauen ersetzt, aber ist das ein Fortschritt?
– Wenn Frauen als Frauen wirklich substanziell etwas besser machen wollen, dann müssen sie (feministische) Modelle entwickeln, wie man Unternehmen und den Markt „besser“ macht. Solche Konzepte gibt es aber nicht bzw. es gibt sie grundlegend nur im linksalternativen Milieu, und es ist wohl kaum davon auszugehen, dass aus diesen Kreisen jetzt reihenweise Frauen in die Vorstandsetagen von Unternehmen gewählt werden (wenn sie überhaupt dorthin wollen). Denn das würde voraussetzen, dass sie dort Dinge tun, die sich nicht nur gegen die herrschenden Wirtschaftsmodelle richten, sondern teilweise auch Rechtsnormen verletzen. Und das kann nicht gut gehen.
– Die Frauen können vielleicht im Kleinen etwas bewirken, aber das ist letztlich wenig Sieg für so viel Triumphgeschrei. Denn die Vorständinnen werden voraussichtlich überwiegend mit wenig einflussreichen Aufgaben abgespeist. Die Quote stimmt dann zwar, aber was ändert sich sonst signifikant? - Es bleibt das (zumindest eine Zeit lang) vorzeigbare Symbol der Antidiskriminierung, das letztlich aber nichts Dauerhaftes bewirkt. Denn Quoten (egal wo und für wen) setzen bei Formaldiskriminierungen an, nicht bei echten, und die Schnittmenge zwischen beiden ist nicht sonderlich groß. Das wurde an anderer Stelle schon ausgeführt.
Wenn man ein bisschen böse wäre, dann könnte man die Vorstandsquote auch als Diskriminierung von Frauen durch Frauen betrachten. Da holt sich eine Frauenelite mit Unterstützung des Frauenvolkes ein paar lukrative Jobs, und dann verkaufen sie das Ganze als Sieg für alle, damit das Image nicht leidet. Das glaube, wer mag. Wäre ich eine Frau, würde mir diese Vorstandsquotenregelung jedenfalls bitter aufstoßen.