Schatzsucher und Goldgräber

Es scheint mir, als fühlten wir Menschen ohne Existenzsorgen uns wie Schatzsucher auf der Suche nach dem Lottoglück, dem perfekten Partner, dem Traumjob, dem idealen Urlaub, dem Stein der Weisen usw. usw. Clever sein ohne sich anzustrengen, sich die Hände nicht schmutzig machen, die anderen (notfalls) austricksen und sich das holen, was ‒ so sagt es uns ja ohne Unterlass die Werbung ‒ für jeden im Prinzip erreichbar ist und einem im Grunde ja auch irgendwie zusteht, oder?

Leider gibt es die meisten Schätze nur in Märchen. Das Leben ähnelt in Wirklichkeit eher der Goldgräberei in unzugänglichem Gelände, oder gar in einem finsteren, schmutzigen und manchmal gefährlichen Stollen, in dem schon viele andere ihr Glück gesucht haben oder immer noch buddeln, oder einfach darauf warten, anderen den gefundenen Nugget wegzunehmen.

Dass wir diese Einsicht scheuen, könnte auch einer der Gründe dafür sein, dass Krimis so in Mode sind: Diese vermitteln uns den Eindruck, dass im Grunde jeder Fall lösbar ist, jede Folge gibt uns das Etappensiegfeeling, das die Hoffnung nährt, auch wir könnten zumindest einige unserer Schätze heben.

Das mag etwas weltfremd sein, hält aber die Wirtschaft am Laufen und gibt uns einen gewissen Lebenssinn. Nur: Was passiert, wenn das Heer der Enttäuschten zu groß wird?